Salzwedel will bei der Stadtentwicklung künftig mehr europäische Fördermittel einwerben. Eine ganze Liste von Ideen hat die Verwaltung gestern vorgestellt. Leuchtturmprojekt könnte der Neubau des Stadtarchivs sein.

Salzwedel l Wer mit Steffen Langusch durch die Räume des Salzwedeler Stadtarchivs geht, sieht schnell: So kann es hier nicht weitergehen. In den uralten Mauern steckt so viel Feuchtigkeit, dass in den vergangenen Monaten fast ununterbrochen die Lüftungsgeräte liefen. Schimmel und Salpeterkristalle machen sich auf den Wänden breit. Und auch wenn die Gesundheit des Archivars selbst nicht unmittelbar betroffen sein sollte - wie die Verwaltung immer wieder beteuert - der umfangreiche Bestand historischer Dokumente leidet in jedem Fall.

Eine Lösung muss also her. Und sie könnte in Form eines durch das europäische Leader-Förderprogramm mitfinanzierten Neubaus an der Altperverstraße kommen. Oberbürgermeisterin Sabine Danicke bekräftigte gestern nach dem Neujahrsempfang noch einmal, sie habe bereits das Interesse der Stadt am Abrissgrundstück an der Altperverstraße 17 für einen eventuellen Neubau bekundet. Noch aber sei alles offen.

Tatsächlich könnte das Archiv auch jenseits der Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel einen neuen, größeren Standort gut gebrauchen. "Wir sind an unserer Kapazitätsgrenze angelangt", erklärte Joachim Mikolajczyk, Leiter des zuständigen Kul-Tour-Betriebes der Stadt, gestern im Pressegespräch. Für die Zukunft rechnet er mit weiter steigendem Platzbedarf. Selbst die Einstellung eines zweiten Archiv-Mitarbeiters werde derzeit erwogen.

Wegen Feuchtigkeit und Platzmangels sucht der Kul-Tour-Betrieb bereits jetzt nach einem geeigneten Zwischenstandort. Denn so bald wie möglich sollen in den bisherigen Räumen die Arbeiten für eine grundlegende Sanierung des Gemäuers beginnen, erklärte Sabine Danicke. Einen Termin gebe es aber auch dafür noch nicht.

Neubau wäre ein Gewinn für die Altperverstraße

Für die Altperverstraße wäre der Neubau des Stadtarchivs gegenüber der Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) wohl in jedem Fall ein Gewinn. Denn die einst florierende Geschäftsstraße ist seit Jahren zunehmend von Leerstand und Verfall betroffen.

Und so ist es wohl kein Zufall, dass die Verwaltung neben dem Neubau auch gleich die Erstellung einer Marketingstudie für den Straßenzug über das Leader-Programm finanzieren will. Ein Straßenpicknick mit Bürgern und Gespräche mit den Hauseigentümern könnten für zusätzliche Impulse sorgen, hofft Danicke. Doch während sich das Stadtpicknick wohl ohne weiteres umsetzen ließe, ist der große Wurf eines Neubaus derzeit nicht mehr als eine Vision. Falls tatsächlich Leader-Fördergeld dafür fließen sollte, könnte das noch bis 2020 dauern. Die Stadt müsste zudem einen nicht unbeträchtlichen Eigenanteil aufbringen und auch der Stadtrat müsste dem Projekt zustimmen. Ein weiter Weg also, der in der Zwischenzeit viel Raum für andere Lösungen offenlässt.