Sollte die Fachhochschule Magdeburg-Stendal Vorlesungen und Seminare auch in Salzwedel abhalten? Ja, fordern Salzwedeler Politiker immer wieder. Vertreter der Hochschule halten das dagegen für unrealistisch.

Salzwedel/Stendal l Als Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) vor einigen Tagen zu Gast im Salzwedeler Zentrum für Soziale Psychiatrie war, sprach Nicolas Nowack Klartext: Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal sollte sich stärker am Standort Salzwedel engagieren, forderte der Arzt für Psychiatrie. Seminare oder Vorlesungen etwa des Fachbereichs Rehabilitationspsychologie könnten außer in Stendal ebenso gut in Salzwedel stattfinden.

Der Stadt würden die Studenten gut tun, begründete Nowack. In Stendal sei das zu beobachten. - In dieselbe Kerbe stieß der ebenfalls anwesende SPD-Stadtrat Hans-Jürgen Ostermann. Er habe schon immer ein stärkeres Engagement der Hochschule in Salzwedel gefordert, erklärte Ostermann (SPD). Überhaupt sei der Standort Altmark einst unter der Maßgabe gegründet worden, neben Stendal auch Salzwedel zu versorgen.

Während Jens Bullerjahn keine Zusagen machte, aber immerhin ankündigte, mit der Fachhochschule reden zu wollen, haben die Verantwortlichen der Hochschule die Kritik gehört. Und sie weisen sie nun zurück.

"Das Mögliche machen wir bereits."

Prorektor Wolfgang Patzig

"Das Mögliche machen wir bereits", sagte Prorektor Wolfgang Patzig gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Eine Auslagerung von Teilen des Lehrbetriebs nach Salzwedel hält er aber für unrealistisch. "Den Wunsch der Salzwedeler kann ich nachvollziehen", betont er. Aber das wäre ein immenses logistisches Problem. Und das Budget der Hochschule gebe eine solche Splittung erst recht nicht her. Patzig verweist stattdessen auf die vielfältigen Kooperationen der Hochschule, die bereits mit Salzwedel existierten. So würden Studenten aus Stendal ihre Praktika in der Hansestadt absolvieren, es gebe gute Kontakte zu Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen und nicht zuletzt biete die Hochschule in Salzwedel monatlich eine Sprechstunde an.

Doreen Falke, die als Ansprechpartnerin regelmäßig in Salzwedel ist, bekräftigt: "Die Erwartung, dass die Hochschule mit einem Teil ihrer Lehre nach Salzwedel kommt, habe ich noch nicht wahrgenommen." Im Gegenteil, die Menschen seien froh, dass Stendal so nahe ist. Zudem verstehe sich die Hochschule auch ohne Aufsplittung der Lehre auf mehrere Standorte als Hochschule für die gesamte Region. Das belege etwa die Tatsache, dass mehr Studenten in Salzwedel ihre Praktika absolvierten als Salzwedeler in Stendal studieren.

"Studentenstadt zu sein, ist riesen Vorteil."

Doreen Falke

Patzig und Falke signalisieren dennoch Bereitschaft für eine engere Vernetzung mit Salzwedel. "Wir sind für alles offen, man muss nur auf uns zukommen", sagt der Prorektor. So seien etwa - kostenpflichtige - Weiterbildungen für Unternehmen denkbar. Und die Hochschule könnte Studenten für Forschungsarbeiten vermitteln. All das brauche aber einen gewissen Vorlauf.

Am Ende räumt Doreen Falke dann aber auch ein: "Studentenstadt zu sein, das ist schon ein riesen Vorteil für Stendal." So sei es zwar richtig, dass die Hochschule nach Salzwedel ausstrahle. "Aber die Studenten wohnen eben meist in Stendal." - Mit allen Vorteilen für die Stadt.

Und so verwundert es nicht, dass die Salzwedeler Politik das Thema auch für die Hansestadt immer wieder zur Sprache bringt. Das Ministerium für Wissenschaft hatte zuletzt übrigens eine eindeutige Haltung zu einem möglichen Hochschulstandort Salzwedel: "Die Altmark hat mit Stendal einen attraktiven und etablierten Hochschulstandort, der fachlich gut aufgestellt ist und von jungen Menschen gut angenommen wird." Gestern war dazu aus dem Ministerium nichts Neues zu erfahren.