Arendsee (hrä) l Arendsee hat eine Arztpraxis weniger: Medizinalrat Hans-Jürgen Schulz hat seine Praxistür am Birkenhain geschlossen. Seit Wochen schon war keine Sprechstunde mehr. Die Schwestern hatten es vorausgesehen, die Patienten befürchtet, dass der 76-Jährige nach fast 50 Jahren als Hausarzt nun doch in den Ruhestand geht.

"Ich danke all meinen Patienten und ihren Familie für die jahrzehntelange Treue und das Vertrauen", erklärte er gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Er hoffe, dass alle trotz der schwierigen Lage in der medizinischen Versorgung einen neuen Hausarzt für sich finden. "Die Patientenakten können wir aber nur als Kopien an die Patienten selbst herausgeben, dafür sorgt Schwester Stefanie im Ärztehaus."

Tatsächlich sieht die Situation in Arendsee und Umgebung, was die ärztliche Versorgung betrifft, schlecht aus. Die Stellung halten hier Dr. Ilja Karl im Ärztehaus an der Bahnhofstraße und Dr. Margit Moesenthin. Aber hier werden derzeit keine neuen Patienten mehr aufgenommen, weil das Team an seine Grenzen stößt.

Die Praxis an der Seehäuser Straße ist geschlossen, Dr. Schmitt-Kipp soll, so heißt es. demnächst im sanierten Bahnhofsgebäude praktizieren.

"Wir suchen bundesweit mit Anzeigen nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger."

KV-Sprecher Bernd Franke

Nun müssen die Patienten aus der Einheitsgemeinde Arendsee sich neu orientieren. Sie fahren teilweise zu Ärzten nach Pretzier, Salzwedel oder Seehausen und nehmen dabei Fahrstrecken für einen Hausarztbesuch von 15 bis 25 Kilometer in Kauf.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Magdeburg dazu: "Wir suchen bundesweit mit Anzeigen nach einer Nachfolgerin beziehungsweise einem Nachfolger und sprechen die Ärztinnen und Ärzte an, von denen wir glauben, dass sie an einer Niederlassung interessiert sind", sagte KV-Sprecher Bernd Franke im Auftrag des Vorstandes. Den Ärzten vor Ort und in der Umgebung sei man dankbar, dass sie die Patienten von Dr. Schulz versorgen. "Wir stehen im Kontakt mit Dr. Schulz, um ihm bei der Nachfolgersuche zu helfen. Finanzielle Förderungen einer Praxisnachfolge sind möglich."

Die Kommune will sich nach ihren Möglichkeiten "in die Pflicht nehmen" lassen. "Es gab ein Gespräch mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung im Rathaus, in dem wir unsere Bereitschaft zur Unterstützung zusagten", erklärte Bürgermeister Norman Klebe. Das betreffe zwar nicht die Bereitstellung von Praxisräumen, denn "es stehen welche leer", betonte er. "Aber wir haben ein attraktives Umfeld zu bieten", sagte er. Das meine er mit Blick auf ein modernes Bildungsensemble von Grund- und Gemeinschaftsschule sowie Kindertagesstätte, Freizeitangeboten in Vereinen, Einkaufsmöglichkeiten und Kultur. "Schnelles Internet liegt in Arendsee an, auf den Dörfern besteht Nachholbedarf - da setzen wir auf den Zweckverband Breitband", so Klebe.