Die Narren haben Mitte Februar in Dähre das Sagen. Auf die drei tollen Tage bereitet sich auch das amtierende Prinzenpaar Torsten I. (Barthel) und Andrea (Boohs) vor.

Dähre l Ein kleines Mädchen, das sich ängstlich an die neue Prinzessin schmiegt: Das ist den Besuchern der Auftakt-Festsitzung der 61. Saison der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre im November 2014 aufgefallen. "Für meine Greta zerbrach eine heile Märchenwelt. Denn dort heiraten Prinz und Prinzessin immer", erklärt Andrea Boohs. Die damals Vierjährige fragte ihren Papa Burger Boohs entsetzt, ob die Mama jetzt den fremden Mann heiraten werde. Doch dieser konnte die Kleine beruhigen, die dann mit auf der Bühne Platz nahm und bald das Lächeln wiederfand. "Da hatte ich plötzlich zwei Prinzessinnen neben mir", merkt Torsten Barthel augenzwinkernd an.

Der Karnevalsgesellschaft gehört der Kleistauer seit knapp zehn Jahren an und führte als Zeremonienmeister schon durch unzählige Programme. Doch Prinz war er noch nie. Im Vorjahr hatten es die Prinzenbeschaffer Reinhard Pankonien und Klaus Merda auf ihn abgesehen. "Als die beiden zum ersten Mal zu mir kamen, war ich gerade im Garten beschäftigt. Ich merkte an, dass sie zu früh seien und ich mich noch nicht mit dieser Aufgabe auseinandergesetzt habe", erzählt der 45-jährige Diplom-agraringenieur. Also habe er sie wieder weggeschickt. Nach dem Urlaub von Klaus Merda kamen die Prinzenbeschaffer im Oktober erneut, "trotz der schlechten Straße, die zu uns nach Kleistau führt". Nach einer längeren Unterhaltung und in Abstimmung mit seiner Frau Uta habe er Ja gesagt.

Doch wen als Prinzessin auswählen? "Meine Frau war schon einmal Lieblichkeit, das ging also nicht", erinnert sich Torsten Barthel. Obwohl die Karnevalsgesellschaft gut 150 Mitglieder hat, fand er es interessanter, jemanden von außerhalb zu benennen. "Das erhöht die Spannung und die Geheimhaltungsstufe", erklärt er verschmitzt. Die Wahl fiel auf Andrea Boohs. "Wir kannten uns vorher nicht, aber wir wussten, zu wem wir gehören", fügt der amtierende Prinz hinzu. Zumal die beiden Mädchen der Dährerin bei den Funken mittanzen, die auch von Uta Barthel betreut werden.

"Ich dachte erst, sie wollen zu meinem Mann."

Andrea Boohs

Nun hatten die Prinzenbeschaffer die nächste Aufgabe: die auserwählte Lieblichkeit zum Mitmachen zu bewegen. "Als die beiden bei uns anklopften, habe ich erst gedacht, was wollen die zwei Herren von mir. Ich dachte erst, sie wollen zu meinem Mann", erinnert sich die heute 37-jährige Sozialversicherungsangestellte. Als diese darauf beharrten, mit ihr zu sprechen, bat sie um etwas Zeitaufschub: Die beiden Töchter mussten erst ins Bett gebracht werden. Eine halbe Stunde später standen die Männer erneut vor der Tür und erklärten ihr, dass ein Prinz sie gern als Prinzessin haben wolle. "Der Name wird nicht genannt, es wird nur der Fakt erzählt", sagt Andrea Boohs. Sie erbat sich Bedenkzeit, wollte erst mit ihrem Mann sprechen. "Die Familie muss dahinter stehen, sonst wird das nichts. Der Partner muss sich während der Elferratssitzungen und der Veranstaltungen um die Kinder kümmern", beschreibt sie und fügt hinzu: "Erst zweifelte ich etwas, ob ich das kann. Schließlich machte mir mein Mann Mut." Nach einem erneuten Gespräch mit den Prinzenbeschaffern, bei dem auch ihr Mann Burger dabei war, stimmte sie zu. Und dann ging auch schon das Grübeln los, wer wohl der Prinz sein werde. Unter den Männern, die für sie zur engeren Auswahl gehörten, sei auch Torsten Barthel gewesen. "Auf meine Frage, ob die Frau des Prinzen schon einmal Prinzessin gewesen sei, habe ich von Reinhard Pankonien und Klaus Merda eine diplomatische Antwort erhalten: Das könne in 60 Jahren seit dem Bestehen schon mal möglich gewesen sein", erinnert sich Andrea Boohs.

Der Kleistauer erhielt grünes Licht und telefonierte mit der Prinzessin auf Zeit. Nun schmiedeten die beiden Pläne, wie sie sich an dem Abend präsentieren wollen. Daraus entstand das Bauarbeiter-Stück. "Der Hausbau bei Andrea und die schlechte Straße zu uns, das passte gut", blickt Torsten Barthel zurück. Dazu die beiden verkleidet als Sicherheitsinspektoren auf dem Moped - eine runde Sache. Nicht nur die Aufregung habe ihnen zu schaffen gemacht, sondern auch das Wahren des Geheimnisses. Selbst die eigenen Kinder durften nichts wissen. "Mein Sohn Johannes hat etwas geahnt. Doch als er den gleichen Programmablauf wie im Jahr zuvor auf dem Blatt las, habe ich ihn mit den Worten ,Daran wollen wir arbeiten und das Programm ändern, deshalb sind am Abend ab und zu Leute bei uns` auf andere Gedanken gebracht", beschreibt Torsten Barthel.

Ein paar Tage später war übrigens der Straßenbau-Wunsch des Prinzen schon überholt. Da bekam er signalisiert, dass es in diesem Jahr etwas mit dem Ausbau des ländlichen Weges von Wendischhorst über Kleistau nach Hohendolsleben werden solle. "Vielleicht hätte ich doch schon eher meine Bereitschaft als Prinz erklären sollen. Dann wäre der Straßenbau früher gekommen", sinniert Torsten Barthel.

"Deshalb bieten wir Programm, Tanz und auch Gastronomie."

Torsten Barthel

Andrea Boohs hat sich mittlerweile mit ihrer Aufgabe angefreundet. "Bisher war ich eine derjenigen, die sich die Programme angeguckt und sich darüber gefreut hat. Jetzt habe ich mitgekriegt, wie viel Aufwand hinter der Organisation steckt. Das ist richtig grandios, was die Vereinsmitglieder auf die Beine stellen", lobt sie. Das kann ihr Prinz für eine Saison nur bestätigen: "Aufs flache Land kommt keiner, der Spaß bringt. Wir müssen diesen selber machen. Deshalb bieten wir Programm, Tanz und auch Gastronomie."

Das amtierende Prinzenpaar freut sich schon auf die drei tollen Tage im Februar und wird dann die Umhänge präsentieren, die in Arbeit sind. Die beiden wünschen sich schönes Wetter, ein tolles Programm und dass jeder Garde das gelinge, was sie sich vornehme. Und natürlich viele Gäste bei allen Veranstaltungen. Sie sind gespannt auf die Tänze ihrer Kinder Greta (5) und Caroline (8) Boohs sowie Johannes Barthel (11). Martin Barthel (15) wird bei den Blauen Funken sein Bestes geben. Die Jüngste wird sich diesmal bestimmt über ihre Mama als Prinzessin freuen.

Und auch einen Zeremonienmeister wird es geben. "Jens Bock übernimmt den Job ebenfalls bei den Veranstaltungen in der Turnhalle und nicht nur beim Umzug", verrät der Prinz.