Mit einem Modellprojekt soll im Altmarkkreis der Kinderschutz verbessert werden. Daran sind viele Kooperationspartner beteiligt. Bereits erfolgreich angelaufen sind die "Frühen Hilfen".

Salzwedel l Überforderung der Erziehungsberechtigten ist die häufigste Ursache einer Misshandlung von Kindern oder Schutzbefohlenen, wie es Amtsdeutsch heißt. Auch im Altmarkkreis hat der gewaltsame Tod der anderthalb Jahre alten Emily aus Bismark die Menschen erschüttert. "Es muss alles getan werden, um das Risiko für solche Fälle zu vermindern", sagt der zuständige Dezernent Eckhard Gnodtke. Sachsen-Anhalt-weit waren es 2014 rund 200 Straftaten dieser Art, die polizeilich bearbeitet wurden. Rund fünf Prozent davon entfallen auf den Altmarkkreis, informiert Andreas von Koß, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landeskriminalamtes. Insgesamt sei die Zahl der Fälle 2014 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen.

Fachlicher Rat aus Erfurt

Um den Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Übergriffen jeglicher Art zu verbessern, hat das Jugendamt des Altmarkkreises ein Modellprojekt gestartet, in das alle Beteiligten einbezogen werden, so Schulen, Kindertagesstätten, Mediziner, Familiengerichte, Polizei, die zuständigen Behörden und viele mehr, berichtet Anke Siebentaler, Sachgebietsleiterin im Salzwedeler Jugendamt. Fachlichen Rat gibt es von Professor Jörg Fischer von der Fachhochschule Erfurt. Erarbeitet wird eine Systematik, wie die einzelnen Partner bei Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern vorgehen, zusammenarbeiten und wie bei Verdachtsfällen zu agieren ist. "Wir wollen herausfinden, wo gibt es Schlupflöcher und wie können wir sie schließen", sagte Anke Siebentaler.

Neue Vereinbarungen mit Einrichtungen

Weiterhin werden in nächster Zeit mit allen staatlichen Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und den freien Trägern für Tagesgruppen, Heime, Familienhilfe oder Jugendklubs neue Vereinbarungen abgeschlossen. So schreibt es das Bundes-Kinderschutzgesetz vor. Das sei in guter Anlass, um das Handlungsschema beim Kinderschutz noch einmal neu darzustellen und zu überarbeiten. Den Mitarbeitern in den Kindereinrichtungen soll eine Orientierungshilfe geboten werden, welche Handlungsschritte einzuhalten sind. Die gesetzliche Pflicht, das in den Vereinbarungen festzuschreiben, bringe eine höhere Verbindlichkeit.

Als Erfolg stuft Anke Siebentaler das Projekt "Frühe Hilfen" ein (siehe Infokasten). Den Familienhebammen werde oft großes Vertrauen entgegengebracht. "Viel mehr als einer Behörde", berichtet die Sachgebietsleiterin. Die Hebammen sind es auch meist, die den Eltern vorschlagen, die kostenfreie Betreuung für Familien mit Kindern bis zu drei Jahren anzunehmen. "Alle unsere Familienhebammen sind ausgebucht", berichtet Anke Siebentaler. Zu dem Projekt gehört ein Netzwerk weiterer Partner wie Ärzte, Psychologen, Familienhilfe, Frauen- und Kinderhaus und weitere.

Hinweise aus der Bevölkerung

Trotz der Netzwerkarbeit ist das Jugendamt auch auf Hinweise von Nachbarn oder anderen aufmerksamen Bürgern angewiesen. "Wir behandeln das natürlich vertraulich und nehmen auch anonyme Hinweise ernst", sagt Siebentaler.