Bei einer Festveranstaltung hat Schriftsteller Uwe Friesel am Dienstag seinen 76. Geburtstag begangen. Prominenter Gastredner des Abends war mit Björn Engholm der ehemalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins.

Salzwedel l Uwe Friesel, bekannter Buchautor und Wahl-Salzwedeler hat am Dienstag seinen 76. Geburtstag gefeiert. Friesels Freunde, Kurt Schwarting, Knut Markuszewski und Karl-Heinz Reck, nahmen das zum Anlass, ihn für seine Verdienste mit einer Festveranstaltung zu ehren.

Erschienen waren mehr als hundert Gäste, darunter Björn Engholm, ehemaliger Ministerpräsident von Schleswig Holstein. Passend zum Wirken des Jubilars stand bei den Ansprachen dann auch die Kulturarbeit im Mittelpunkt.

Björn Engholm etwa erinnerte sich an eine Zusammenkunft mit Uwe Friesel, die ihm dauerhaft in Erinnerung blieb: 1991 wurde das Kurhotel in Travemünde zu einem Ort einer denkwürdigen Begegnung, berichtete er. Schriftsteller aus den alten und den neuen Bundesländern trafen sich zum ersten Mal zu einem außerordentlichen gesamtdeutschen Schriftstellerkongress. Engholm, zu dieser Zeit Ministerpräsident von Schleswig Holstein, war damals Gastgeber. Er erlebte einen engagierten Uwe Friesel, der als Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller die Autoren aus Ost und West in der Gewerkschaft zusammenführen wollte. Die Bemühungen darum wertet Engholm auch heute als Sisyphosarbeit. Doch durch seine Einfühlsamkeit und Geduld sei Friesel dieser bedeutsame Akt gelungen.

40 Jahre Teilung führten zu verschiedenen Sichtweisen

Einfach war das nicht: Vierzig Jahre Trennung in verschiedenen Gesellschaftssystemen, hatten bei den Autoren zu unterschiedlichen Sichtweisen geführt. Zudem habe die Gewerkschaft in der DDR bei den ehemaligen Mitgliedern einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Viele seien nicht geneigt gewesen, sich wieder einer Gewerkschaft anzuschließen. Das liegt nun 24 Jahre zurück.

Heute befindet sich die Kultur in der Auflösung

Die Frage, welchen Stellenwert die Kultur heute hat, beantwortete Engholm anschließend in seinem Vortrag "Kultur in Zeiten der Ökonomie". Für den aktuellen Vorsitzenden des Kulturforums Schleswig-Holstein befindet sich die Kultur momentan in einer Auflösung. "Städte, Länder und Kontinente werden nur noch nach ihrer Wirtschaftskraft gewichtet", verdeutlichte Engholm seine Sicht auf die Lage.

Aufgrund von Engpässen würden etwa an deutschen Schulen immer wieder Unterrichtsfächer ausgesondert. Dabei handele es sich fast ausnahmslos, um - aus Sicht der Verantwortlichen - weniger wichtige Fächer wie Musik, Kunst oder Ethik. Doch gerade die Beschäftigung mit den Künsten eröffne neue Eindruckswelten und trainiere die Fähigkeiten der Menschen, weiter und tiefer zu schauen.

Auch andere Schriftsteller wie Axel Kahrs aus Wustrow lobten die Verdienste Friesels: "Deine Kreativität und dein Ehrgeiz suchen seinesgleichen", sagte Kahrs.

Neben den Ansprachen war eine Podiumsdiskussion zu den Themen Schriftstellerzusammenschluss Ost-West 1991 und seine Auswirkungen auf die gesamtdeutsche Literatur Teil der Veranstaltung. Leider war die Sichtweise etwas einseitig, denn mit Uwe Friesel, Axel Kahrs, Mauro Ponzi, einem italienischen Publizisten, und Knut Schwarting, Bürgermeister a.D. aus Lüchow, ging der Blick nur aus Richtung West auf die damaligen Geschehnisse und die derzeitige Situation. Mit einem Vertreter aus den neuen Bundesländern wäre die Diskussionsrunde sicher interessanter verlaufen. So blieb es bei einer netten Plauderei.

Viel Beifall gab es daneben für die jungen Damen vom Blockflötenensemble Tri Tonus aus Hamburg, welche mit klassischen und modernen Stücken die Gäste der Veranstaltung unterhielten.

 

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