Stendal/Gardelegen l Mit einem Deal zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht, im Juristendeutsch Verständigung oder Rechtsgespräch genannt, endete gestern der dritte Verhandlungstag vor dem Landgericht in Stendal im Prozess um Raub und gefährliche Körperverletzung in einem Zug von Stendal nach Wolfsburg beziehungsweise vor dem Bahnhof in Gardelegen.

Zumindest einer der drei Angeklagten (25, 31 und 32 Jahre alt) kann nach dem Grundsatz Strafmilderung gegen ein umfassendes Geständnis mit einer zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafe von maximal 22 Monaten rechnen. Die Mitangeklagten wollen sich den Weg über diese Brücke zu einem milderen Urteil bis zum nächsten Prozesstag noch offen halten. Eine Strafaussetzung zur Bewährung kommt für Staatsanwalt Thomas Kramer für die beiden Mitangeklagten nicht in Betracht.

Brutale Gewaltattacken

Er sehe aufgrund der Beweismittel sowie der Aussagen des Opfers und mehrerer Polizisten in ihnen die Haupttäter und will sie, so sein "Angebot", für "um die zweieinhalb Jahre" hinter Gittern sehen.

Wie berichtet ist ein heute 30 Jahre alter Mann aus dem Gardelegener Ortsteil Jävenitz am 13. August vorigen Jahres nach dem Zustieg in die Regionalbahn in seinem Heimatort mittels einer brutalen Gewaltattacke um 200 Euro beraubt und zudem erheblich durch Tritte, Schläge und Würgen verletzt worden.

Geschehen im Bild festgehalten

Drei Überwachungskameras des Zuges haben das Geschehen im Bild festgehalten. Außerdem hat einer der Angeklagten in einem abgefangenen Brief an einen Anverwandten die Tat einschließlich Planung zugegeben. Das couragierte Opfer war den drei Männern, die sich auf dem Weg von ihrem Heimatland Polen in die Niederlande befanden, nach ihrem Ausstieg in Gardelegen gefolgt, um wieder an sein Geld zu gelangen.

Der 30-Jährige wurde bis zum Eintreffen der von einem Zeugen im Zug alarmierten Polizei vor dem Bahnhof ein zweites Mal heftig attackiert und später mit dem Rettungswagen ins Altmark-Klinikum Gardelegen gebracht.

Ein Notarzt, der gestern als Zeuge aussagte, stellte dort unter anderem Schürf- und Platzwunden am Kopf sowie Prellungen am Oberkörper fest. Und eine Bisswunde am Oberarm des Opfers, die von einem der Angeklagten stammen soll. Im Prozess kämpft er als Nebenkläger um ein Schmerzensgeld von 5000 Euro.

Zur Tatzeit Alkohol und Rauschgift im Blut

Selbst wenn ihm das Gericht dieses zusprechen sollte, sei es sehr ungewiss, ob er es jemals bekommen wird, sagte seine Anwältin der Volksstimme. Denn die seit dem 13. August in U-Haft befindlichen Angeklagten besitzen keine Reichtümer und haben sich in ihrer Heimat nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Zur Tatzeit hatten sie zwischen 1,5 und 2,3 Promille Alkohol im Blut, zwei von ihnen hatten zusätzlich Rauschgift konsumiert. Ein Gerichtspsychiater schloss wohl fehlende Steuerungsfähigkeit aus, attestierte ihnen aber Alkoholabhängigkeit.

Der Gutachter empfahl dem Gericht im Falle eines Schuldspruchs neben einer Haftstrafe die auf maximal zwei Jahre begrenzte Unterbringung im Maßregelvollzug zur Alkoholtherapie. Das Urteil wird nach den Plädoyers am 10. März erwartet.