Salzwedel l Der Gurt ist fest um den Oberarm gezurrt, eine Vene in der Armbeuge mit der Kanüle angezapft - und ehe sich Daniel Schöne (21) versieht, hat ihm Schwester Heidi Kämmerer von der Uni-Klinik Magdeburg auch schon sechs Milliliter Blut abgenommen. Jetzt noch schnell Tupfer und Pflaster drauf, fertig!

Für den Auszubildenden zum Kinderpfleger war das eine spontane gute Tat: Dass die Berufsbildenden Schulen des Altmarkkreises Salzwedel gestern Morgen eine Typisierungsaktion für die Stammzellen- und Knochenmarkspende organisierten, erfuhr der 21-Jährige erst vor Ort während des Unterrichts - und ließ sich direkt davon überzeugen, dass auch er sich als möglicher Lebensretter zur Verfügung stellen sollte.

Nach einer kurzen Beratung von Claudia Herbst (43), Mitarbeiterin der Knochenmarkspenderdatei der Uni-Klinik Magdeburg, füllte er das Registrierungsformular aus, ließ das Piksen über sich ergehen - und hofft, dass viele seinem Beispiel folgen werden. "Vor allem für Leute wie mich, die eine seltene Blutgruppe haben, ist es immer schwierig, einen passenden Spender zu finden. Also: Je mehr Spender wir haben, desto weniger Probleme gibt es im Ernstfall."

Claudia Herbst, die gestern insgesamt 101 Freiwillige in der Spenderdatei des Klinikums in Magdeburg registrieren konnte, wünscht sich deshalb noch mehr solcher Projekte wie die von der Fachgruppe Sozialpflege vorbereitete Aktion an den BbS Salzwedel. "Aufklärungsarbeit ist das Wichtigste überhaupt. Die Menschen müssen einfach ihre Angst vor dieser Spende verlieren - sie ist hier absolut unbegründet", sagte sie.

In regionalen Dateien seien zur Zeit rund zwei Millionen Menschen in Deutschland als mögliche Spender registriert, allein in Magdeburg etwa 38000. Dass das aber noch ausbaufähig ist, findet auch Arzthelferin Franka Säwe (30), die sich gestern gern für die Aufnahme in die Knochenmarkspenderdatei bereit erklärte. Die Salzwedelerin meint: "Man müsste einfach noch mehr Werbung im Internet machen, um gerade die Jugend für das Thema zu sensibilisieren. Jeder Piks hilft!"

Doch: Typisierungen sind mit rund 50 Euro recht teuer, sie werden daher spendenbasiert finanziert. Bereits am "Tag der offenen Tür" im Februar sammelten die BbS deshalb Geld für ihr Projekt - und nahm dank eines zusätzlichen Kuchenverkaufs während der Blutabnahme gestern rund 300 Euro ein, die die Schüler anschließend an Dr. Andreas Prankner vom Uniklinikum Magdeburg überreichten.

Dass mehr als hundert Schüler und andere Freiwillige den Weg in die Berufsschule fanden, freut auch Annalena Keil (19). Sie gehört zur Fachgruppe Sozialpflege und hat sich im Vorfeld genau mit Blutbildungs-Störungen beschäftigt: "Alle 45 Minuten erkrankt ein Mensch an Leukämie - und das nur in Deutschland", erklärt sie. Im Jahr sind es rund 13500 neue Patienten. "Und wenn es irgendwann mal einen von uns treffen sollte, möchten wir ja auch, das uns geholfen wird."

Die Registrierungs-Aktion der BbS fand bereits zum dritten Mal statt. Das Schulprojekt konnte diesmal sogar mehr Teilnehmer verzeichnen als zuletzt: 2014 kamen nur 67 Interessenten zum Blutabnehmen. Eine Typisierung ist allerdings auch jederzeit über die Uni-Klinik Magdeburg möglich.