Zum geplanten Windpark bei Siedenlangenbeck gibt es noch viele Fragen. Deshalb lud der Gemeinderat zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung ins Gemeindehaus Siedenlangenbeck ein.

Siedenlangenbeck l Ruhig und sachlich war die Atmosphäre während der gut zweistündigen Veranstaltung. Zuerst stellte Michael Heinrich von der Firma Enercon Magdeburg das Projekt noch einmal vor. Die Entfernung der geplanten Windparkfläche südlich von Siedenlangenbeck zur Wohnbebauung betrage 1000 Meter. Aufgestellt werden sollen sechs Windkraftanlagen des Typs E 101, die einen Rotordurchmesser von 101 Metern haben und eine Nabenhöhe von 135 Metern. "Wir werden kein ganzes Jahr bauen. Für diese sechs Anlagen sind etwa 155 Tage geplant, an denen es Bauverkehr gibt. 24 davon werden auf die Nachtstunden fallen, weil Rotorblätter und große Teile des Turms geliefert werden", sagte Michael Heinrich. "Nachts sind 45 Dezibel zulässig. Wir liegen deutlich drunter", informierte der Enercon-Mitarbeiter zum Thema Schall. Zudem seien im Jahr maximal 30 Stunden Schattenwurf im drehenden Zustand erlaubt. "Wir werden Module einbauen, die so programmiert sind, dass kein bewegter Schatten da ist", versprach er. Dass die stehenden Windräder bei Sonne auch einen Schatten werfen, lasse sich nicht verhindern.

Derzeit würden verschiedene Zuwegungs-Varianten zur Fläche geprüft. Darüber sei noch nicht entschieden, erklärte Michael Heinrich.

Gemeinde soll 99 Prozent der Gewerbesteuer erhalten

Die Gemeinde Kuhfelde werde von der Gewerbesteuer profitieren. Normalerweise würden 70 Prozent des Geldes auf den Standort und 30 Prozent auf den Sitz der Verwaltung entfallen. "Enercon hat festgelegt, dass 99 Prozent an die Gemeinde gezahlt werden und 1 Prozent als Verwaltungsumlage nach Aurich fließt", berichtete der Gast. In 20 Jahren würde so für die sechs Windkraftanlagen eine Summe von etwa 1,9 Millionen Euro zusammenkommen.

Michael Heinrich verwies zudem auf die Möglichkeit einer Bürgerwindgesellschaft sowie einen günstigeren Stromvertrag für die Einwohner, die die Windräder sehen.

Jörn Thaute aus Siedenlangenbeck sagte, dass auf eine Fläche von gut 20 Hektar maximal drei Anlagen passen würden, wenn die Abstände eingehalten werden. "Warum werden es sechs?", wollte er wissen. "Auf den Karten gibt es einen gewissen Unschärfebereich", antwortete Michael Heinrich. Deshalb würde ein Korridor von maximal 100 Metern um die Fläche toleriert, wenn es keine natürlichen Grenzen wie Straßen oder Gräben gebe. "Der Speckgürtel ist Praxis", fügte er hinzu. "Erst 21,5 Hektar, jetzt 35 Hektar. Die Differenz finde ich schon erstaunlich", entgegnete Jörn Thaute, der ebenso wie Enrico Lehnemann Mitglied der Bürgerinitiative Pro Jeetzetal ist. Der Groß Gischauer berichtete, dass die Windparkgegner am Dienstag Landrat Michael Ziche eine Liste mit 450 Unterschriften gegen das Projekt übergeben hätten. "Wir sind der Meinung, der Windpark gehört dort nicht hin. Denn es wird Natur zerstört", sagte Enrico Lehnemann und ging zum Thema Infraschall über, das noch nicht angesprochen wurde. Dieser mache krank, sei aber noch nicht erforscht. Brigitte Schulz aus Audorf verwies darauf, dass ihr Ort bereits an zwei Windrädern grenze. "Wir haben schon gesundheitliche Beeinträchtigungen", sagte sie. Die Menschen in der Region hätten Angst vor den Auswirkungen. Bauwillige würden abwarten, ob die Anlagen aufgestellt werden oder nicht. Michael Heinrich, der seit 1999 in der Branche tätig ist, bestätigte, dass der Infraschall von manchen Menschen als unangenehm empfunden werde. "Aber ich kenne keinen, der davon krank geworden ist", sagte er. Als Investor müsse sich die Firma auf den Gesetzgeber verlassen, der nichts genehmige, wovon Leute gesundheitlich beeinträchtigt würden. Enrico Lehnemann verwies auf Dänemark, wo im Vorjahr die Energieerzeugung durch Windkraftanlagen reduziert worden sei wegen festgestellter Gesundheitsschäden.

Christfried Lenz aus Apenburg merkte an, dass diejenigen, die Windenergie ablehnen, auch darüber nachdenken müssten, auf welchem Weg dann Energie erzeugt werden solle. Ralf Knapp aus Tangeln verwies auf die besondere Ökologie in der Jeetzeniederung. Rotmilane, Uhus und Fledermäuse würden dort ihren Lebensraum haben. Cornelia Wiechmann aus Groß Gischau kann sich nicht damit anfreunden, dass ausgerechnet in der Niederung gebaut werden müsse. "Wer entschädigt uns Hauseigentümer?", wollte sie wissen. Auch Christina Jungmichel aus Audorf findet den Standort nicht gut. "Das Liebenswerte an der Altmark ist die Natur", sagte sie. "Ich kann nicht glauben, dass die Touristen nicht herkommen, wenn sich hier sechs Windräder drehen", entgegnete Michael Heinrich. In 20 Jahren würden die Anlagen wieder verschwinden. Enrico Lehnemann wollte konkret wissen, welches Windrad das Landesverwaltungsamt beanstandet hätte. Dazu konnte der Firmenvertreter keine Auskunft geben, versprach aber, diese nachzuliefern.

Frank Leskien bot eine weitere Runde zum Naturschutz an. Die damit betraute Firmenmitarbeiterin war erkrankt.

 

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