Salzwedel l Mehr als 20000 Salzwedelerinnen und Salzwedeler über 16 Jahre waren vor zwei Wochen aufgerufen, für sieben Jahre ein neues Stadtoberhaupt zu wählen. 47,3 Prozent nutzten ihr Wahlrecht und bescherten der Hanse- und Baumkuchenstadt ein durchaus kurioses Ergebnis: Da keiner der fünf Bewerber im ersten Anlauf die absolute Mehrheit der Stimmen erhielt, heißt es am morgigen Frauentag "Sabine gegen Sabine" - Amtsinhaberin Danicke trifft auf ihre Namensvetterin Blümel.

Die parteilose Sabine Danicke (unterstützt von Linke, Grüne, Bürgerbund, FDP und Hanseaten) erreichte am 22. Februar mit 37,9 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen. Ihr Abstand zu den 50 Prozent war indes auch recht groß. Für viele sogar überraschend groß. Danicke selbst hatte im ersten Wahlgang schon mit der absoluten Mehrheit gerechnet.

Pfannenschmidt und Fernitz abgeschlagen

Für etliche Beobachter überraschend schaffte es Sabine Blümel von der Wählergemeinschaft Salzwedel Land als Zweitplatzierte in die Stichwahl. Die Ortsbürgermeisterin von Tylsen kam auf 22,8 Prozent der Stimmen. Blümel lag am Ende ganze 100 Stimmen vor der ebenfalls parteilosen Katrin Pfannenschmidt (21,8 Prozent), die von SPD und Für Salzwedel ins Rennen geschickt worden war. Klar dahinter verbuchte CDU-Bewerber Peter Fernitz 15,9 Prozent und blieb deutlich hinter den Erwartungen. 162 Stimmen (1,7 Prozent) konnte Piratin Jennifer Zeidler einfahren.

Nachdem Salzwedel bis zum 22. Februar einen durchaus knackigen Winterwahlkampf erlebt hatte, blieb es in den vergangenen 14 Tagen erstaunlich ruhig. Allerdings positionierten sich die unterlegenen Bewerber Pfannenschmidt und Fernitz sowie die sie tragenden SPD, CDU und Für Salzwedel eindeutig: Sie unterstützen morgen Sabine Blümel. Das zeichnete sich bereits in der ersten Runde ab, bei der sich das Trio deutlich gegen Danicke positionierte.

Sabine Danicke oder Sabine Blümel. Wann kommen schon einmal zwei Frauen in eine Bürgermeister-Stichwahl!? Wann kommt es schon einmal vor, dass zwei parteilose Bewerber ins Stechen kommen, weil sie sich zuvor gegen von CDU und SPD aufgestellte Kandidaten durchsetzen konnten? Letzteres ist zumindest in Salzwedel keine Premiere mehr: Mit Alt-Bürgermeister Siegfried Schneider und Sabine Danicke machten auch vor sieben Jahren zwei Bewerber das Rennen unter sich aus, die nicht von einer Partei nominiert worden waren.

Im Stadtrat hätte Blümel rechnerisch die Mehrheit

Würde die Politik - also der Stadtrat - die Entscheidung fällen, hätte Sabine Blümel gute Karten. Mit CDU (10 Sitze), SPD (8) und Salzwedel Land (5) hätte sie 23 Ratsmitglieder hinter sich, so diese dem Votum ihrer Vorstände folgen würden. Sabine Danicke käme hier nur auf 13: Linke (8), Grüne (2), Bürgerbund, FDP und Hanseaten (je 1).

Doch nicht die Parteien entscheiden morgen über das neue Stadtoberhaupt, sondern alle Salzwedeler Wahlberechtigten: Sabine gegen Sabine, Blümel oder Danicke? Eine Sabine wird es auf jeden Fall. Aber nur Danicke bliebe Oberbürgermeisterin, da während ihrer ersten Amtszeit die Stadt wegen der Eingemeindungen kurzzeitig mehr als 25 000 Einwohner hatte. Blümel wäre Bürgermeisterin. Mehr Geld ist mit dem höheren Titel übrigens nicht verbunden - das gibt es erst ab 30 000 Einwohner.

Erste Ergebnisse und Stimmen gibt es morgen ab 18 Uhr im Volksstimme-Liveticker auf volksstimme.de/stichwahlamk15 und www.facebook.com/vs.altmark

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