Ein Mann Ende 30 und eine junge Frau - das muss zu Missverständnissen führen. Beim Kabarett am Frauentag im Kulturhaus lachte das Publikum Tränen.

Salzwedel l Gleich für zwei ganze Abende nahmen die Frauen am Wochenende das Kulturhaus in Beschlag. Beide Vorstellungen waren seit längerem ausverkauft. Denn zumindest einmal im Jahr wollen sich Frauen heute etwas Gutes gönnen. Ein Abend unter Gleichgesinnten ist da eine passende Gelegenheit.

Dass es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, ist nicht erst durch Mario Barth bekannt. Auch Kabarettist Stephan Bauer kennt die Stärken und Schwächen von Frau und Mann genau und reibt sie seinem Publikum gern unter die Nase. In seinem nicht mehr ganz neuen Stück "Warum heiraten - Leasing tut`s auch" dreht sich alles um seine neue Liebe Sina. Ein hübsches Mädchen mit Traum-Maßen und dem großen Vorteil, jung zu sein. Er dagegen sei mit seinen 37 Jahren nur alt, fett und hässlich. Die Jahre hinterlassen eben ihre Spuren. Und eine geschiedene Ehe und sechs Jahre Single-Dasein waren auch nicht gerade förderlich, dem allmählichen Verfall entgegenzuwirken.

"Sie wünschte sich einen Spiegel, ich habe gleich ein Abo bestellt."

Doch worum ihn viele Männer beneiden, lässt bei ihm graue Haare sprießen. Denn der Altersunterschied lässt den sich nach Ruhe sehnenden älteren Mann und die nach Abwechslung hungernde junge Frau nicht so richtig auf einen Nenner kommen. Es stellt sich die Frage: Was führt eigentlich eine junge Frau und einen älteren Mann zusammen? Junge Frauen sehen im Partner wohl immer so etwas wie eine Vaterfigur, vermutet Bauer. Es sei das ausgeprägte Schutzbedürfnis der Frauen. Das war auch bei Sina so. Zuerst habe sie sich im Dunkeln gefürchtet. Doch nachdem sie ihn nackt gesehen habe, fürchte sie nun das Licht, erklärte er dem aufprustenden Publikum. Bei den jungen Dingern käme es immer auf die äußere Schönheit an.

Bei seiner ersten Frau war das anders. Da sollte er auch ihre inneren Werte sehen. "Lasse dich röntgen", habe er ihr geraten. Einmal verriet ihm Sina, dass sie sich etwas Abwechslung im Schlafzimmer wünsche, und darum wolle sie dort einen Spiegel. "Ich habe gleich ein Abo bestellt." Als die Lacher im Saal etwas dürftig ausfallen, setzte er nach und sagte: "Ihr braucht wohl etwas länger hier in Salzwedel? Naja, es ist ja auch schon spät."

Er stehe meist erst gegen zwölf Uhr auf, setzt Bauer seine Geschichte fort. Denn es gebe eine alte Regel: Wer einatmet, muss auch ausatmen. Und wer einschläft, der müsse auch ausschlafen. Das Leben mit einer Jüngeren kratze ganz schön am eigenen Ego, gesteht er. Dies werde auch nicht besser, wenn er sich im Kampf gegen aufkommende Minderwertigkeitsgefühle einen Joghurt mit der Bezeichnung "Der große Bauer" auf den Tisch stelle.

Denn er werde sehr schnell ins Reich der Wirklichkeit zurückgeholt, wenn sie "Fruchtzwerge" dazu stellt. Ansonsten bliebe die Küche meistens kalt. "Aber du guckst doch den ganzen Abend Kochshows", äußerte er sein Unverständnis zum Thema "wieso kannst du dann nicht kochen." Sie kontert trocken: "Aber du schaust doch auch Pornos." Als er sie fragt, ob sie sich vorstellen könnte, ihr ganzes Leben mit ihm zusammen zu sein, antwortet sie: "Nein, denn du stirbst ja eh früher." Spätestens da habe es sich für ihn mit dem Heiraten erledigt. Und er überlege sich, ob ein Leasing auf Zeit nicht besser wäre. Bauers Fazit: "Wer Frauen versteht, der kann auch durch null teilen."

Am Ende ist es ein unterhaltsamer Abend, der für Lachtränen beim Publikum sorgt. Bauer bedient sich zwar auch aus der Klischee-Schublade, doch versteht er es, mit gekonnten Anspielungen und Zweideutigkeiten sein Publikum stets neugierig zu halten.

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