Salzwedel | Vielen Westaltmärkern dürfte der Unfall mit dem jüngsten Verkehrstoten 2014 an der Bushaltestelle in Neukloster bei Gardelegen wegen seiner Tragik in Erinnerung geblieben sein. Der Grundschüler wurde überfahren, als er plötzlich auf die Straße lief. Der älteste Verkehrsteilnehmer, der tödlich verunglückte, war 75 Jahre alt. Neun Menschen starben im vergangenen Jahr auf Bundesstraßen, vier auf Landes- und eine Person auf Kreisstraßen. So weist es die Statistik des Salzwedeler Polizeireviers aus, die Polizeihauptmeister Manfred Richter vom Bereich Verkehrsorganisation gestern präsentierte.

Den Schwerpunkt bei tödlichen Unfällen bildet mit fünf erneut die Bundesstraße 71. Das sei aber logisch, denn sie ist die längste und verkehrsreichste Fernstraße im Kreis, sagte der Polizeihauptmeister. Ansonsten gebe es keine Schwerpunkte bei Todesfahrten. Lediglich die Strecke zwischen Fleetmark und Sanne sticht hervor. Auf der Landesstraße kamen ein 74-Jähriger und ein 26-Jähriger ums Leben. 14 Verkehrstote sind zwar zwei weniger als im Vorjahr, aber immer noch viel zu viele, wie Richter betonte.

Tiefstand seit 1990

Insgesamt sei die Zahl der Unfälle weiter rückläufig. Um rund sechs Prozent zum Vorjahr und auf einem Tiefstand seit 1990. 3019 Verkehrsunfälle nahmen die Beamten des Reviers in ihrem Zuständigkeitsbereich 2014 auf. "Im Zehn-Jahresvergleich ist das eine gute Nachricht und innerhalb von fünf Jahren ein Rückgang um gut 17 Prozent", betonte er. Der Altmarkkreis liegt damit im landesweiten Trend.

In geschlossenen Ortschaften gab es 1422 und außerhalb 1608 Unfälle, ebenfalls eine Abwärtstendenz, wie Richter weiterausführte.

Eine Stagnation verzeichnet die Bilanz in den zurückliegenden fünf Jahren bei den Unfällen mit Personenschaden. Insgesamt verletzten sich auf den Straßen des Kreises 378 Menschen, davon 93 schwer. Im Vergleich: 2010 waren es nur 73 Schwerverletzte.

Sorgen bereiten den Beamten nach wie vor die Fahranfänger. Ihre Beteiligung an tödlichen Unfällen macht ein knappes Viertel aus, wie Manfred Richter erklärte.

Bei 71 Unfällen war die Verkehrstüchtigkeit des Verursachers beeinträchtigt. In 45 Fällen war Alkohol im Spiel. Und drei Autofahrer standen zum Zeitpunkt des aufgenommen Verkehrsunfalls unter Einfluss von Drogen.

Wildunfälle Hauptursache

Die Hauptunfallursache sind mit 35,44 Prozent die Wildunfälle. Dennoch gab es Positives zu berichten: mit 1070 ist auch ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr erheblich gesunken. Allerdings gebe es bei Wildunfällen unerklärliche Schwankungen (siehe Grafik). Ob der Rückgang auf die zahlreich eingeleiteten Maßnahmen wie Duftzäune und Reflektoren oder Warnungen an den Autofahrer mit Flyern und Transparenten zurückzuführen ist, lasse sich noch nicht einschätzen. "Frühestens nach drei Jahren", betonte Richter. Was allerdings festgestellt wurde: Wo die Duftzäune und Reflektoren an besonders neuralgischen Punkten angebracht wurden hat sich die Zahl der Wildunfälle reduziert, an anderen Bereichen der jeweiligen Strecke dagegen erhöht. Es habe den Anschein, das Wild sei ausgewichen. Ob das tatsächlich so ist, müsse abgewartet und gründlich ausgewertet werden.

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