Heute startet die Aktion "Blumenstrauß des Monats" in eine neue Runde. Das besondere Dankeschön erhält diesmal Heiko Fricke aus Abbendorf. Er hat die Kinderfeuerwehr Glühwürmchen gegründet und steht dieser als Leiter vor.

Abbendorf l Sonntag morgen um 8 Uhr in Abbendorf: Kinder wuseln um das Gerätehaus. Sie sind schon ganz aufgeregt. Denn bald soll es ins Kino gehen. Dort wollen sie den neuen Asterix-Film schauen. Einige der Mädchen und Jungen tragen kleine Uniformen, auf denen ihre Vornamen stehen. Sie gehören zur Kinderfeuerwehr Glühwürmchen, die am 1. Juni 2012 gegründet worden. Plötzlich entdecken sie ihren Leiter. "Heiko, Heiko", rufen sie erfreut, laufen ihm entgegen, umringen ihn. Heiko Fricke, der so Begrüßte, muss lächeln.

32 Jahre sei er Wehrleiter gewesen, dann habe er das Amt abgegeben, erzählt der Abbendorfer. "Nun war ich Gruppenführer. Aber das reichte mir nicht aus", fügt er schmunzelnd hinzu. Die Idee sei entstanden, in Abbendorf eine Kinderfeuerwehr zu gründen. "Mein Anliegen war es, die Kinder von der Straße zu holen. In dem Alter sind sie viel aufnahmefähiger, um das Gehörte zu speichern", schildert Heiko Fricke.

Er fand in der eigenen Wehr Unterstützung für die Idee, setzte sich auch gegen Widerstände durch. Am 1. Juni 2012 war es dann soweit: Die "Glühwürmchen" wurden gegründet, mit zuerst sechs Kindern. "Heute haben wir 20 Mitglieder und einen Aufnahmestopp. Mehr geht mit unserer Betreuerzahl nicht", sagt der 58-Jährige. Wer viereinhalb Jahre und neugierig auf die Feuerwehr ist, sei willkommen. "Wir machen erst ein Schnupperhalbjahr. Wenn es dem Kind gefällt, kann es gern bleiben, wenn nicht, dann geht es wieder", erklärt Heiko Fricke. Allerdings sei noch keiner gegangen, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Die Fünf- bis Zehnjährigen, die einmal im Monat zur Ausbildung kommen, sind nicht nur in Abbendorf, sondern auch in Diesdorf, Waddekath, Peckensen und Hohengrieben zu Hause. "Wir sind eine Kinderfeuerwehr für den Flecken Diesdorf", unterstreicht Heiko Fricke. Zwei Drittel der Zeit würden für das Spiel, ein Drittel fürs Lernen genutzt. "Wir machen viel Gruppenarbeit, damit unterschiedliche Stationen absolviert werden können. Da ziehen alle Betreuer voll mit", bedankt sich der Kinderfeuerwehr-Leiter bei seinem Team und den Eltern, die die Arbeit ebenfalls unterstützen. Knoten würden geübt, das Koppeln verinnerlicht, der Umgang mit Schläuchen geübt, die Gerätschaften auf dem Fahrzeug kennengelernt. "Da sind meine ,Glühwürmchen` mit dem Orientieren durchaus schneller als manch gestandener Feuerwehrmann", beschreibt er. Auch in Sachen Erste Hilfe seien die Kleinen fit: Dafür gab es erst gestern einen kindgerechten Kurs.

Heiko Fricke hat ins Nachbarland Tschechien geschielt, um weitere Ideen für die Arbeit mit seiner kleinen Truppe zu bekommen. "Dort macht die Feuerwehr sehr viel mehr für Kinder und Jugendliche als bei uns. Da sind fast alle beteiligt", hat er beobachtet. Und er möchte die Übungen zu zweit sowie den Staffellauf - beides habe er sich vor Ort anschauen dürfen und auch im Internet gefunden - auch mit den Mitgliedern seiner Kinderwehr ausprobieren. "Da kommt es auf jeden einzelnen an zu zeigen, was er kann. Das Miteinander ist mir wichtig", schildert er.

"In diesem Jahr werden zwei der Älteren in die Jugendwehr wechseln. Aber es stehen genug Bewerber für die freiwerdenden Plätze vor der Tür", verrät Heiko Fricke. Beim Erzählen ist zu spüren, dass er sehr viel Freude an der Arbeit mit dem Nachwuchs hat. Das kommt wohl nicht von ungefähr. Denn er selbst fühlt sich schon seit dem zehnten Lebensjahr mit der Feuerwehr verbunden. "Wir hatten zwar keine eigenen Uniformen. Aber wir waren dabei, konnten uns Kniffe abgucken, von den Älteren lernen", erinnert er sich. Als er 14 war, habe er seine erste Uniform bekommen, war nun Mitglied der schnellen Truppe. Und glücklich, helfen zu können.

"Eigentlich hätte nie einer gedacht, dass Heiko bei der Arbeit mit Kindern so aufgehen kann", beschreibt Martina Frost. Die Abbendorferin, deren Kinder selbst "Glühwürmchen" sind, hatte den Leiter für den "Blumenstrauß des Monats" vorgeschlagen. Heiko Fricke habe sich um Geld für die kleinen Uniformen gekümmert, Kindersitze organisiert, schildert sie. Er habe den Oma-Opa-Tag ins Leben gerufen, dass die Großeltern auch einmal schauen können, was die Steppkes in der Kinderwehr gelernt haben. "Da denkt er sich immer tolle Sachen aus", schwärmt Martina Frost. Und er sei federführend bei der Fahrrad-Orientierungstour, beim Skatturnier der Wehr, beim Weihnachtsbaumverbrennen, zählt sie weitere Veranstaltungen auf, an denen der 58-Jährige eine Aktie hat. "Heiko ist einfach der Kracher", fasst sie zusammen.