Dort, wo einst das Getreide des Salzwedeler Ulanenregiments lagerte, soll das Archiv der Hansestadt vorübergehend einziehen. Dafür hat der Betriebsausschuss des KulTour-Betriebes am Dienstagabend gestimmt.

Salzwedel l Das Salzwedeler Stadtarchiv zieht um. Während der Sanierung der Räumlichkeiten im Rathaus, kommt die Geschichte der Hansestadt vorübergehend im Speicher an der Ackerstraße unter. Das beschloss am Dienstagabend der Betriebsausschuss des KulTour-Betriebes, zu dem das Archiv gehört.

"Wir haben mehrere Varianten geprüft und uns schlussendlich für den Speicher entschieden", erklärt Betriebsleiter Joachim Mikolajczyk. Es habe mehrere Angebote gegeben. Allerdings hätten nicht überall das Klima, die Tragfähigkeit der Decken und der Platz gepasst. All diese Parameter erfülle der Speicher an der Ackerstraße.

Der Umzug sei laut Mikolajczyk Ende April/Anfang Mai geplant. Die Verlegung des Archivs und die Mehrausgaben für Miete - für die Räume im Rathaus musste der KulTour-Betrieb nichts zahlen - schlagen im Etat des Eigenbetriebes in diesem Jahr mit 150.00 Euro zu Buche. Auch in naher Zukunft muss der Betrieb Extra-Geld für die Miete einplanen. Grund: "Wir haben einen Fünfjahres-Vertrag abgeschlossen", erläutert Joachim Mikolajczyk.

Archiv leidet unter Platzmangel

Wie lange die Sanierung der Räume im Rathaus dauere, konnte der KulTour-Chef noch nicht sagen. Das Salzwedeler Bauamt habe aber bereits signalisiert, dass das nicht von heute auf morgen gehe. Und wenn die Erneuerung des Archivs im Rathaus abgeschlossen ist, wartet bereits das nächste Problem - Platzmangel.

"Die Kapazitätsgrenze ist bereits jetzt fast zu 100 Prozent erreicht", weiß Stadtarchivar Steffen Langusch. Rund 530 laufende Meter Akten befinden sich derzeit im Rathaus. Tendenz steigend. Denn Langusch bewahrt nicht nur alte Bücher und Zeugnisse historischer Ereignisse der Stadtgeschichte auf. Im Archiv lagern ebenso Protokolle von Ausschuss- und Ratssitzungen. Dazu kommen seit der Gemeindegebietsreform Akten und Chroniken aus den ehemals eigenständigen Orten. Steffen Langusch musste bereits einen Ortsbürgermeister vertrösten, der Material im Archiv abgeben wollte.

Für die nächsten fünf Jahre ist das Platzproblem gelöst, da die Räume des Speichers größer sind. Und auch sonst ist Joachim Mikolajczyk mit der Lösung zufrieden. Das Archiv bleibt in der Innenstadt und ist gut zu erreichen. Passend für ein Archiv hat das Gebäude historischen Charakter, da es einst als Getreidespeicher für das Ulanenregiment in Gebrauch war, wie Steffen Langusch erläutert. "Und der Vermieter hält eine Grundeinrichtung vor. Das hat mir gefallen", erklärt Mikolajczyk. Im Erdgeschoss stellen die Eigentümer außerdem einen Raum zur Verfügung, in dem Beeinträchtigte, die nicht über die Treppe ins Obergeschoss gelangen, Akten einsehen können. Die Barrierefreiheit ist also gegeben.