Im kommenden Jahr wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Für die Sozialdemokraten wird dabei Jana Schweizer als Spitzenkandidatin im Wahlkreis 1 ins Rennen gehen. Das entschieden die Mitglieder während einer emotionalen Vollversammlung.

Salzwedel l Es kann nur einen SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2016 geben. Mit Jana Schweizer und Detleff Bill hatte es aber zwei Anwärter gegeben. Am Freitagabend stimmten deshalb die SPD-Mitglieder auf einer Vollversammlung in Salzwedel darüber ab, wer von beiden als Spitzenkandidat im Wahlkreis 1 ins Rennen gehen soll.

Nachdem die Stimmen ausgezählt und das Ergebnis verkündet worden war, nahm die Versammlung allerdings eine unerwartete Wende. Gemeinsam mit Detleff Bill verließen die Mitglieder des Ortsvereins Diesdorf/Dähre die Veranstaltung. Bill konnte sich kurz zuvor nicht gegen seine Kontrahentin Jana Schweizer von der Salzwedeler SPD durchsetzen. Denn während Schweizer 18 der insgesamt 28 abgegebenen Stimmen auf sich vereinen konnte, votierten nur 10 Genossen für Bill.

"Ich muss jetzt einen Wermutstropfen in den Wein gießen", sagte Detleff Bill, nachdem er nach Bekanntgabe des Ergebnisses noch einmal ans Rednerpult getreten war. Im Diesdorfer Ortsverein habe man sich im Vorfeld schon viele Gedanken gemacht, wie man im Falle einer Niederlage reagieren sollte, fuhr Bill fort. Er sehe sich im Nachteil gegenüber Jana Schweizer, die dem größeren Salzwedeler Ortsverein angehört. Aufgrund des Größenunterschieds beider Vereine sei das Ergebnis "nicht verwunderlich". "Meine Kandidatur war schon länger bekannt", sagte er weiter. Die Aufstellung einer zweiten Kandidatin sei vorher nicht diskutiert worden. "Wir fahren jetzt nach Hause und diskutieren, wie es weitergehen wird", schloss er seine Erklärung ab.

"Ich habe jetzt ein Jahr Zeit, um bekannter zu werden."

Jana Schweizer

Enttäuscht von diesem Verhalten zeigte sich der Vorsitzende des Salzwedeler Ortsvereins, Norbert Hundt. "Demokratie lebt von der Mehrheit", sagte Hundt. Im Übrigen sei auch niemand gezwungen worden, frühzeitig einen Kandidaten aufzustellen. Hundt bot sich den verbliebenen Mitgliedern als Ersatzkandidat an, für den Fall, dass Jana Schweizer ihren Wahlkampf aus irgendeinem Grund nicht antreten kann. Diese Position hätte eigentlich Detleff Bill besetzen sollen. Von den noch 19 verbliebenen Genossen stimmten 15 für Hundt.

Nun kann sich Jana Schweizer als Spitzenkandidatin für den Wahlkreis 1 auf ihren Wahlkampf vorbereiten. Am Freitagabend nutzte die Mahlsdorferin im Vorfeld der Mitglieder-Abstimmung die Gelegenheit, sich und ihre Ziele vorzustellen. "Ich will den Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken. Keiner soll sich von oben herab regiert fühlen", betonte Schweizer, die seit drei Jahren Mitglied der SPD ist, zwei Jahre davon im Vorstand des Salzwedeler Ortsvereins. Soziales Handeln und wirtschaftliches Denken seien der 42-Jährigen wichtig. Punkten könne sie vor allem mit ihrer Berufserfahrung und ihrer Ausbildung. Neben einem Fachschulabschluss hat Schweizer auch zwei Studienabschlüsse vorzuweisen. Ihren Fokus lege sie auf das Oberthema Gesundheit. Dazu zähle für sie unter anderem auch die Bekämpfung von Armut, bessere Bildung oder das Tierwohl.

Defizite, so musste Jana Schweizer auf Nachfrage eingestehen, hätte sie noch in Sachen Medienwirksamkeit. "Ich habe jetzt ein Jahr Zeit, um bekannter zu werden", argumentierte Schweizer. Dass die formulierten Ziele zu breit und zu oberflächlich seien, kritisierte ein anderes SPD-Mitglied. "Vielleicht ist nicht alles umsetzbar", räumte Jana Schweizer ein, doch die Breite der Themen würde ihrer Meinung nach viele Menschen ansprechen. Auf die Frage, wie sie zu einer möglichen Koalition mit den Linken stehe, entgegnete Schweizer: "Sollten wir unter einem Linken arbeiten müssen, würde ich dagegen stimmen."

Bilder