Zu einer Krötenwanderung hatte der BUND am Freitagabend nach Hoyersburg eingeladen. Revierförster Ralf Knapp führte die Teilnehmer über die Wiesen.

Hoyersburg l Es widerstrebt vielen Menschen, einen Frosch oder eine Kröte anzufassen oder gar in die Hand zu nehmen. Allein schon der bloße Anblick erzeuge bei vielen schon einen gewissen Ekel, weil die Tiere oft mit Eigenschaften wie glitschig oder schleimig in Verbindung gebracht werden. Anders bei den Teilnehmern der abendlichen Exkursion durch das Reich der Amphibien.

Sie wollten mehr über diese Lebewesen erfahren, die sich sowohl im Wasser wie auch auf dem Land zu Hause fühlen. Ute Machel vom BUND informierte die Teilnehmer zu Beginn der Exkursion über Mythen und Märchen, die sich um diese Geschöpfe zwischen zwei Welten ranken. So sei die Kröte, entsprechend dem Volksglauben, sehr eng mit dem Hexenwesen verbunden. Warum Kröten und Geld in direktem Zusammenhang stehen, dafür hatte sie auch gleich eine Erklärung parat.

"Ich möchte meinem Enkel die Natur näher bringen."

Günther Lüdecke

Zu Zeiten, als Menschen in unsicheren Zeiten ihr Geld vergruben, wurden sie nach ihrem Tod als Kröten wiedergeboren, um so ihren Schatz bewachen zu können. Und auch die Geschichte mit dem Frosch, dem Kuss und letztendlich der daraus folgenden Verwandlung könne man an dem späten Abend überprüfen, riet sie den Teilnehmern. Aber vielleicht funktioniere es auch umgekehrt, schob sie sogleich eine Warnung hinterher.

Als Amphibienexperten begrüßte Ute Machel an dem Abend Revierförster Ralf Knapp, der die Exkursionsteilnehmer über die Wiesen westlich von Hoyersburg führte. Auch Kinder zwischen acht und elf Jahren hatten sich der Gruppe angeschlossen. Lukas Miguel Lüdecke (8 Jahre) aus Immekath war bei seinen Großeltern in Chüttlitz zu Besuch.

"Ich möchte meinem Enkel die Natur näher bringen. Wenn er bei uns zu Besuch ist, sind wir oft mit dem Fahrrad entlang des ehemaligen Grenzstreifens unterwegs", informierte Günther Lüdecke in einem Gespräch. Lukas war an dem Abend nicht das einzige Kind in der Gruppe. Auch Dagmar Neumann aus Salzwedel hatte ihre beiden Enkel Elena (8 Jahre) und Ole (11 Jahre) mit nach Hoyersburg gebracht.

"Wenn es möglich ist, nehmen wir immer an solchen Veranstaltungen teil", verriet Dagmar Neumann zwischen den Tümpeln in den Jeetzewiesen. Gleich die erste Wasserstelle brachte sodann den Erfolg. Ein Teichfrosch, ein biologisches Produkt eines kleinen Wasserfrosches und eines Seefrosches, ging der Truppe in den Kescher.

Ralf Knapp nahm den kleinen Teichbewohner in die Hand und verwies auf die besonderen Erkennungsmerkmale, wie die Färbung und Zeichnung der Oberseite und des Bauches. Eine weitere Besonderheit dieser kleinen "Bastarde", wie der Fachmann diese hybride Kreuzung bezeichnet, ist, dass sie normalerweise unfruchtbar sind. Aber der Teichfrosch hat in diesem Fall die Natur ausgetrickst und eine genetische Besonderheit herausgebildet. Er verfügt statt über zwei, nämlich über drei Chromosomensätze und trägt damit die vollständige Erbinformation einer der beiden Elternteile in sich.

"Moorfrosch färbt sich während der Paarungszeit bräunlich."

Ralf Knapp

Das nächste Exemplar, ein Moorfrosch, gehört genau wie der Teichfrosch zur Familie der Echten Frösche. Die kleine Amphibie ist aufgrund der Färbung ihrer Oberseite den sogenannten Braunfröschen zuzuordnen. Während der Paarungszeit können sich Teile des Körpers oder das ganze Tier bläulich verfärben. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die spitze Schnauze bei dieser Art.

Knapp wies auch auf die Brunstschwielen bei dem Teich- und dem Moorfrosch hin. Diese bilden sich zu Beginn der Paarungszeit, damit sich das männliche Tier während des Paarungsaktes besser auf dem Rücken seiner Partnerin festhalten kann. Noch lange durchleuchteten die Lichtkegel die Schwärze der Nacht, um in den Tümpeln oder an deren Rändern Amphibien zu entdecken.

Am Sonnabendnachmittag startete in der Jeetzeniederung bei Hoyersburg eine Exkursion zu den Watvögeln.

 

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