Ein rätselhafter Stein in der Klostermauer am Arendsee fesselt seit 1997 die Aufmerksamkeit von Naturfreund Paul Meitz. Er bezweifelt, dass die Inschrift MV 1536 ihn als Marienstein ausweist. Auch eine Erinnerung an ein Unwetter oder den einstigen Baumeister könnte hinter der 479 Jahre alten Botschaft stecken.

Arendsee l Zwischen Efeu versteckt und halb von ihm verdeckt prangt in der Klostermauer am Arendsee ein geheimnisvoller Ziegelstein. Er trägt die Inschrift MV 1535. Und die gibt dem Betrachter auch noch nach inzwischen 479 Jahren Rätsel auf. Gestern machte der Binder Naturkenner Paul Meitz auf die Besonderheit aufmerksam. Er wollte sich eigentlich mit den Frauen von der Arbeitswohlfahrt an der Klostermauer treffen und ihnen von dem Stein erzählen. Aber wegen starken Regens und Sturms wagte sich nur Vorsitzende Helga Thunemann ans Seeufer. Den anderen berichtete er von seiner Entdeckung, die er bereits 1997 gemachte hatte, beim Kaffee im Gemeindezentrum.

"Vielleicht hat sich der Baumeister auf diese Art verewigt."

"In alten Chroniken habe ich gelesen, dass dieser Stein einst der Jungfrau Maria geweiht worden sein soll", erklärte Paul Meitz. Darauf deuteten die Buchstaben M und V hin, die auf "Maria Virgo" schließen lassen. "Aber 1536 war gar kein Marienjahr", weiß Meitz. Ein Marienjahr sei nur, wenn einer Jungfrau die heilige Maria erschienen sei und dies vom Papst anerkannt wurde.

"M und V könnten auch Vis Major bedeuten, was in der Übersetzung höhere Gewalt hieße", so Meitz. Und in der Tat sei es 1536 während eines heftigen Unwetters zu Ausspülungen an der Westmauer des Klosters gekommen. Bei der Reparatur soll dann jener Stein in die Wand eingesetzt worden sein.

"Das erscheint glaubhaft, denn ursprünglich stammt der Stein aus der Westmauer", machte Meitz klar. Er war dort 1923 entdeckt und beim Fußwegbau an die heutige Stelle versetzt worden. "Auch, um ihn der Öffentlichkeit besser präsentieren zu können am Wanderweg um den See."

Allerdings sei der Stein mittlerweile stark verwittert. "Schön wäre eine Hinweistafel an der Stelle", schlug Meitz vor. Und erwähnte noch eine dritte Deutungsvariante: "Vielleicht ist die Mauer auch erst 1536 errichtet worden und der Baumeister hat sich samt Jahreszahl auf diese Art verewigt."

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