Auf seiner Dekanatsreise machte Gerhard Feige, katholischer Bischof des Bistums Magdeburg, in den vergangenen Tagen in Salzwedel und der Umgebung Station. Gestern besuchte er unter anderem die Werkstatt des Christlichen Jugenddorfwerkes Deutschland (CJD) am Gerstedter Weg.

Salzwedel l Über hohen Besuch konnten sich gestern die Mitarbeiter der Salzwedeler Werkstatt des CJD freuen. Gerhard Feige, Bischof des Bistums Magdeburg, schaute im Rahmen seiner Dekanatsreise in der Einrichtung vorbei. "Wir freuen uns sehr, dass Sie gerade uns für ihren Besuch ausgewählt haben und hoffen, Ihnen heute einen Einblick in unsere vielschichtige Arbeit geben zu können", erklärte Wilhelm Grangé, Gesamtleiter des CJD Sachsen-Anhalt.

CJD-Mitarbeiterin Anja Schmidt führte die Delegation durch die einzelnen Fachwerkstätten. Unter anderem konnte der Bischof so erfahren, wie behinderte Menschen Schritt für Schritt an die täglichen Arbeitsschritte in der Produktion herangeführt werden.

"`Wenn ein neuer Beschäftigter zu uns kommt, wird er zunächst auf seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten getestet, um die möglichen Tätigkeitsfelder für ihn zu bestimmen. Anschließend beginnt die zweijährige Berufbildungsphase, in der sich die Beschäftigten ausprobieren können. Manche kommen aber auch schon mit genauen Vorstellungen zu uns", berichtete Anja Schmidt.

Thomas Noack, Leiter der Tischlerei, zeigte den Gästen unter anderem, dass es für behinderte Menschen durchaus möglich ist, an größeren Maschinen wie Sägen zu arbeiten. "Das geht natürlich nicht mit allen unseren Beschäftigten. Es braucht sehr viel Konzentration und Ruhe", so Thomas Noack.

Die Salzwedeler Werkstätten des CJD wurden 1992 gegründet. Mittlerweile arbeiten am Gerstedter Weg 150 Beschäftige. Zudem sind 50 weitere behinderte Menschen in der Außenstelle beschäftigt. "Unser Ziel ist es, unsere Beschäftigten für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Das ist sicherlich ein hehres Ziel. Deshalb freuen wir uns über jeden einzelnen, den wir soweit bringen können", sagte Wilhelm Grangé.

Der Gesamtleiter des CJD Sachsen-Anhalt bekräftigte, wie wichtig es sei, mit lokalen Wirtschaftsunternehmen zu kooperieren. So arbeiten die Salzwedeler Werkstätten unter anderem für Imker, die Kerzenfabrik oder das Stanzwerk. "Wir brechen die Produktionsprozesse soweit herunter, dass auch der schwächste Mitarbeiter noch mit dem, was er macht befriedigt ist", so Wilhelm Grangé.

Die größte Herausforderung für seine Einrichtung sieht der Gesamtleiter in der Versorgung der geistig behinderten Senioren. "Da fast zwei Generationen behinderter Menschen durch die Nationalsozialisten getötet wurden, kommen erst jetzt die ersten von ihnen ins Rentenalter. Da entwickelt sich zahlenmäßig gerade ein Tsunami", machte Wilhelm Grangé deutlich.

Bischof Gerhard Feige war erstaunt, wie gut die behinderten Menschen in den Werkstätten eingebunden sind. "Ich bin wirklich sehr beeindruckt. Bisher kannte ich das CJD nur vom Namen." Im Anschluss besuchte der Magdeburger Bischof die Produktionsstätte von Paradiesfrucht.