Mehr als 300 Gardeleger und Gäste gedachten am Montagabend der Opfer des Massakers an der Isenschnibber Feldscheune vor 70 Jahren, darunter auch Angehörige von Opfern.

Gardelegen l Es waren Worte, die berührten. Die Französin Monique Dardel, deren Vater gestern vor 70 Jahren in der Feldscheune starb, sprach davon dass sie "nur eine Waise von hunderten anderen sei, Kinder, die ihren Vater verloren". Sie mahnte, die Opfer zu achten "und die Erinnerung an sie aufrecht zu erhalten".

Gäste wischten sich Tränen aus den Augen

Einige Gäste der Gedenkveranstaltung wischten sich Tränen aus den Augen, als die Gardelegerin Ingeborg Köhn einen Brief von Lucien Colonel vorlas, der auf der Flucht nur knapp dem Massaker entkam: "In Gedanken bin ich heute bei Ihnen", las Köhn aus seinem Brief vor. Jedes Jahr am 13. April trinke er zusammen mit seiner Familie eine Flasche Champagner und feiere so seinen zweiten Geburtstag. In diesem Jahr wird Colonel 90 Jahre alt, aus gesundheitlichen Gründen konnte er nicht nach Gardelegen reisen. "Unsere armen Toten rufen uns zu: Vergesst uns nicht", so Colonels eindringliche Worte. Die Feldscheune sei für die neuen Generationen eine "ewige Warnung". Colonel: "Seien wir wachsam."

An das Schicksal seines Großvaters erinnerte der Niederländer Henry van Geen, dessen Großvater von Pfarrer Franz gerettet wurde. "Es gab deutsche Menschen, die damals bereit waren, ihr Leben zu riskieren. Das ist etwas Besonderes. Das gibt Hoffnung. Hoffnung gibt Leben." Es waren versöhnende, sehr persönliche Worte und viel Dank an die Stadt Gardelegen und den Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte für das Engagement.

Die Gedenkansprache hielt Professor Heinrich Fink, Ehrenvorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten: "Man kann sich nicht vorstellen, was in Menschen vorgegangen ist, dass sie eine Scheune anzünden, wo Menschen drin sind." Im weiteren Verlauf stand Gardelegen jedoch weniger im Mittelpunkt, Fink las vor allem aus Aufzeichnungen von Überlebenden des Konzentrationslager Buchenwald vor.

Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten der Männerchor Eintracht, die Chorgemeinschaft Lindstedt/Jeetze, der Miester Posaunenchor und der Kirchenchor, der am Gräberfeld sang. Die Schülerinnen Anni ka Leue, Elisabeth Schönegge, Minh-Chau Trang, Karla Steinecke, Lara Prestel und Chantal Röhse lasen am Gräberfeld Namen der Opfer.

War für manche Gäste die Gedenkveranstaltung der Auftakt des Abends, bildete sie für mehr als 60 Schüler gestern den Abschluss eines zweitägigen Fußmarsches, der am Miester Bahnhof am Sonntagvormittag begonnen hatte und bis zur Mahn- und Gedenkstätte führte. Zu Fuß ging es über Breitenfeld und Zichtau nach Gardelegen, den Weg entlang, den die viele Häftlinge gehen mussten, ehe sie am 13. April ermordet wurden.

Gestern Abend fand im Rathaussaal ein Abendessen mit den in- und ausländischen Gästen sowie ihren Betreuern statt.

   

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