Vor einem Jahr kam Lukasz Strzelec über das Programm MobiPro nach Deutschland. Seit einem halben Jahr lebt er in Arendsee. Hier absolviert der junge Pole eine Ausbildung zum Restaurantfachmann.

Arendsee l Dass es ihn einmal nach Deutschland verschlagen würde, das hätte er nie gedacht, sagt Lukasz Strzelec und lächelt. Es sei eine spontane Entscheidung gewesen, eigentlich die erste richtig spontane Entscheidung, fügt er hinzu. Eine Entscheidung, die er jedoch nicht bereut hat.

Der 26-Jährige stammt aus Szczecinek (Neustettin) und hatte zunächst an der Universität in Stettin einen Abschluss in Außenhandel erworben. Während eines Besuches in der Agentur für Arbeit in Polen entdeckte er ein Plakat, das für das Programm MobiPro warb. Das Programm des Bundes-Arbeitsministeriums fördert die berufliche Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa. Lukasz Strzelec bewarb sich - erfolgreich. Doch vor der Ausbildung in Deutschland stand der Deutschkurs in Polen. Die deutsche Sprache hatte er schon in der Schule gelernt, aber eigentlich eher elementar, erzählt Lukasz. Englisch dagegen sei "total einfach" gewesen. Der Deutschkurs sei dann für vier Wochen in Rostock fortgesetzt worden, sehr intensiv, so Lukasz Strzelec. Aber diese vier Wochen hat er in sehr guter Erinnerung. Nicht nur wegen der Ostsee vor der Haustür. "Ich liebe das Meer. Es war einfach perfekt", blickt er zurück. Lukasz Strezelec lernte dort auch seine heutigen Kollegen in Arendsee, Adriana Davide und Matteo Papavero, kennen.

Nach dem Deutschkurs in Rostock arbeitete er zunächst für einen Monat in einer Küche in Güstrow. "Aber das war nichts für mich. Ich brauche den Kontakt mit Menschen." Lukasz Strzelec kehrte zunächst nach Polen zurück, blieb aber mit seinen Freunden aus dem Sprachkurs via Facebook in Kontakt. Und Adriana war es auch, die ihren nunmehrigen Chef Burghard Bannier, Chef des Flair Hotels "Deutsches Haus" in Arendsee, angesichts eines freien Ausbildungsplatzes auf Lukasz Strzelec aufmerksam machte.

"Wir haben für den Wettbewerb viel geübt."

Lukasz Strzelec

Dass er jetzt im Deutschen Haus junge Leute aus anderen Ländern ausbilde, habe sich über die Kooperation des Bildungsträgers in Rostock mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ergeben, sagt Burghard Bannier. Erfahrungen mit jungen Leuten aus anderen Ländern hatte der Hotelier da schon gesammelt. Duong Pham Xuan aus Vietnam, der heute als Koch in der Küche des Deutschen Hauses arbeitet, sei der erste, "sozusagen der Eisbrecher", gewesen, so Bannier. "Unser duales System hat den Vorteil, dass tiefgründiges Wissen über die jeweiligen Berufe vermittelt wird."

Dieses Wissen an junge Leute weiterzugeben, damit diese dann die Möglichkeit haben, es in ihrem eigenen Land einzusetzen, sei für ihn europäische Solidarität.

Lukasz Strzelec eignet sich sein praktisches Wissen als künftiger Restaurantfachmann in Arendsee und sein theoretisches an den Berufsbildenden Schulen in Salzwedel an. Dass er mit seinen 26 Jahren über das klassische Lehrlingsalter hinaus sei, sei kein Problem, sagt er. Überhaupt sei die derzeitige Klasse dank MobiPro sehr international zusammengesetzt.

Dass er in der Altmark sehr gute Erfahrungen sammeln werde, dessen ist sich Lukasz Strzelec sicher. "Mir wurde hier eine sehr gute Chance gegeben, hier herrscht eine sehr freundliche Atmosphäre." Auch wenn es ihm in der Weihnachtszeit etwas schwer gefallen sei, zum ersten Mal ohne seine Familie zu sein. Dennoch: Gut deutsch zu lernen und seine Ausbildung zu absolvieren, das sei ihm derzeit am wichtigsten.

Mit seinem Sieg bei den Altmark-Meisterschaften der Auszubildenden in den gastronomischen Berufen (Volksstimme berichtete) hat er bereits einen herausragenden Erfolg erzielt. "Das war ein Ding", sagt Burghard Bannier. Allerdings war wohl der Sieg seinen Schützlings doch nicht ganz überraschend, das habe ihm schon der Anblick der von Lukasz Strzelec gestalteten Tafel zum Thema 25 Jahre deutsch-polnische Freundschaft gezeigt. "Wir haben für den Wettbewerb viel geübt. Guter Service ist schließlich sehr wichtig", erzählt Lukasz Strzelec. Das Miteinander der Regionen sei von großer Bedeutung. Daher habe er die Idee gehabt, den Tisch mit Ansichten von polnischen Städte und den Wappen ihrer jeweiligen Partnerstädte in Deutschland zu dekorieren.

Ob er nach seiner Ausbildung in der Altmark bleiben wird, wisse er heute noch nicht. "Dafür ist es noch ein bisschen früh", sagt er und lächelt. Einerseits benötige Deutschland Fachkräfte in der Gastronomie. Andererseits ist da auch sein Traum von einer Reise nach Westaustralien.

"Wir brauchen Leute mit einem wachen Geist."

Hotelier Burghard Bannier

Für Burghard Bannier ist vor allem eines wichtig: "Wir brauchen Leute mit einem wachen Geist, die bereit sind, sich für die Branche zu öffnen." Zwar weiß Lukasz Strzelec noch nicht, ob seine in Polen absolvierte Ausbildung auch in Deutschland anerkannt wird. Doch aus Sicht seines Chefs eröffnet die Kombination aus Studium und Ausbildung für seinen Azubi gute Perspektiven.