Packebusch l Kosten von 5000 bis 6000 Euro im Jahr, der Einsatz einer "Kraft aus dem technischen Bereich" und eine nur einstellige Kinderzahl, so begründet die Kalbenser Stadtverwaltung unter anderem in einer Beschlussvorlage das Einstellen der Kinder- und Jugendbetreuung in Packebusch. Damit ginge eine Ära zu Ende. Denn die einst politisch eigenständige Gemeinde und jetzige Ortschaft der Einheitsgemeinde Kalbe hat seit Jahrzehnten einen betreuten Kinder- und Jugendklub vorgehalten. "Das war uns immer wichtig, um junge Familien zu unterstützen", betont Ortsbürgermeister Otto Wienecke.

Im Aushang hat er die Bürger deshalb über den Tagesordnungspunkt der heutigen Stadtratssitzung unterrichtet. Dort hängt die Beschlussvorlage aus, mit dem Hinweis "Bitte lesen". Zudem hat er ein Schrei-ben verfasst, in dem er über die geplante Schließung informiert. "Wenn es dazu kommt, bricht ein weiteres Stück Kultur in unserem Dorfleben weg. Für Hinweise jeglicher Art bin ich dankbar", heißt es darin.

Das bevorstehende Ende des Jugendklubs beschäftigte am Dienstagabend auch den Ortschaftsrat. "Eine vernünftige Beratung war aber nicht möglich, weil das Zahlenmaterial nicht belastbar ist", sagt der Ortsbürgermeister. Es werde von Werten von 2013 und davor ausgegangen. Damals war die Betreuung noch an fünf Nachmittagen gesichert. Zudem seien die Betriebskosten wegen technischer Defekte und eines harten Winters besonders hoch gewesen.

Bereits im Frühjahr 2014 hatte der Ortschaftsrat zugestimmt, dass der Kinder- und Jugendklub nur freitags in der Zeit von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet ist. Die Kosten könnten daher unmöglich 6000 Euro betragen. Aus den dem Ortschaftsrat vorliegenden Unterlagen, sei das auch nicht hervorgegangen. Wienecke: "Das ist nicht nachvollziehbar."

Zahl der Kinder gesunken

Die Zahl der betreuten Kinder sei gesunken, räumt der Ortsbürgermeister ein und macht dies auch an den Einwohnerzahlen fest. "Wir haben in 15 Jahren 100 Einwohner verloren", berichtet er. Aktuell leben 330 Menschen in der Ortschaft. In den Klub kämen immer zwischen fünf und zehn Jungen und Mädchen. Wenn die Resonanz zu gering ist, fällt die Freitagsnachmittagsbeschäftigung aus. "Dann fallen gar keine Kosten an", konstatiert Wienecke.

Das sei aber selten, denn den Kindern und Jugendlichen gefalle das Angebot, ist er sicher. Es sei wie eine Arbeitsgemeinschaft, bei der viel Kreativität gefördert werde. Denn die jungen Klubgänger sind eine feste Größe in der Ortschaft, wenn es um Kulturbeiträge zu den verschiedensten Anlässen und Festen geht. Etwa zum Maibaumaufstellen, bei Weihnachtsfeiern und Ähnlichem, treten die Nachwuchskünstler auf. Wichtig sei aus Sicht des Ortschaftsrates, dass die Jugend den dörflichen Zusammenhalt sowie Traditionen kennen und schätzen lernt. "Bei uns heißt es: "Miteinander, Beieinander und Füreinander", macht Wienecke deutlich.