Pretzier (obe) l Bei der Hauptversammlung der Bürgerinitiative (BI) "Amerikalinie" in der Grundschule Pretzier blieben am Mittwoch viele Stühle unbesetzt, sodass sich Frustration und Resignation breit machten. Unmittelbar nach dem Rechenschaftsbericht 2014 erklärte Vorsitzender Konrad Bräuer, dass der Vorstand seine Arbeit niederlegen werde.

Er wirkte so müde wie Cervantes Romangestalt Don Quichote, der den Kampf gegen die Windmühlen verloren hatte. Die Bemühungen des Vereins, die Politik mit ins Boot zu holen, um die Interessen der an der Bahnstrecke lebenden Bürger vertreten zu lassen, waren ins Leere gelaufen. Weder Stadt, Landkreis, Land noch der Pretzierer Ortschaftsrat standen eindeutig auf der Seite der BI, kritisierte Bräuer. Und selbst die Bürger, die sich der Initiative für die Errichtung einer Schallschutzvorrichtung 2012 angeschlossen hatten, enttäuschten. Von den 72 Mitgliedern waren außer dem Vorstand nur neun Bürger zu der Versammlung erschienen.

Zahl der Nichtzahler steigt weiter an

Auch der Bericht des Kassenprüfers offenbarte das fehlende Interesse. Während 2012 sechs Mitglieder ihren Beitrag nicht entrichtet hatten, waren es 2013 schon 35 und 2014 bereits 42. "Was ist eine Bürgerinitiative ohne Bürger?", fragte Bräuer. "Bei uns im Vorstand ist einfach die Luft raus. Wir sehen uns am Ende unserer Möglichkeiten. Wir haben alles ausgeschöpft." Doch ließ er nicht unerwähnt, dass es zwischendurch Zeichen der Hoffnung gegeben hatte. Einer Petition hatten sich immerhin 200 Bürger angeschlossen. Katrin Kunert, Mitglied des Deutschen Bundestages, hatte sich intensiv für die Belange der BI eingesetzt. Und auch die Oberbürgermeisterin hätte sich die Forderungen der BI nach einer Schallschutzmaßnahme angehört.

Ernüchternd dann die Aussage der Bauamtsleiterin Martyna Hartwich, die gegenüber der BI verlauten ließ: "Wenn wir einer Ortschaft Hilfe zusagen, müssten wir dieses auch den anderen garantieren. Und dazu fehle der Stadt einfach das Geld." Als die Stadt dann für ein an der Bahnstrecke liegendes Flurstück, das für die Errichtung eines Lärmschutzwalls geeignet wäre, Pacht verlangte, sei bei der BI die Jalousie endgültig gefallen, erklärte Bräuer. Gerd Brandt, Vorstandsmitglied und mit seinem Grundstück Anlieger an der Bahnstrecke, hatte inzwischen die Selbstinitiative ergriffen. Er errichtete auf seinem Grundstück einen Wall, der durch seine Maße keiner Baugenehmigung bedurfte.

In sechs Wochen geht um um die Zukunft des Vereins

Frank Pieper von der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier signalisierte Bereitschaft, um bei der Errichtung eines Schallschutzwalls mitzuwirken. "Dieses dürfte aber keine Einzelaktion sein", schränkte er ein, "denn ich mache das nicht für meine Kühe, sondern für das Dorf und seine Einwohner." Denn dass die BI keine Unterstützung für einen Schallschutz von der Deutschen Bahn erhalten werde, dürfte allen klar geworden sein. Pieper wollte den Rücktritt des Vorstandes verhindern und bat ihn, wenigstens in einer Bereitschaftsposition zu bleiben. "Denn wenn sich Lage geändert habe, müsse der Verein schnell reagieren können und da würde euer Erfahrungsschatz gebraucht werden." In sechs Wochen will sich der Verein noch einmal treffen. Dann solle über die Zukunft des Vereins entschieden werden.