Zum 60. Mal traf sich am Sonnabend die christlich orientierte Männergemeinschaft zu einem gemeinsamen Frühstück. Wie immer gab es Herz- und Schmackhaftes für das leibliche und geistige Beiträge und Musik für das geistige Wohl.

Salzwedel l Bevor Jörg Bieber dem Referenten Jürgen Fischer das Wort erteilte, gab es ein Wissenquiz, mit einem Pralinenkasten im XXL-Format als Preis. Diesen holte sich Bruder Helmut aus dem Kloster Dambeck für die richtige Beantwortung aller Fragen. Doch bat die Bruderschaft den Preis, in Hinsicht auf den bevorstehenden Muttertag, einer Frau zu überreichen. Mangels Frauen in der Runde, beschlossen die Frühstücksteilnehmer diesen an die Servicekraft Michaela Henke zu übergeben. Trotz Ausfall der Kaffeemaschine hatte sie Nerven bewiesen und den Kaffee auf anderem Wege zubereitet.

Es war vielleicht auch als ein Zeichens des Vergebens zu werten. Denn der Ausfall der Kaffeemaschine verzögerte den zeitlichen Ablauf der Veranstaltung doch ein wenig. Und um das Vergeben zwischen einzelnen Menschen, Menschengruppen und ganzen Ländern ging es auch im Referat von Jürgen Fischer. "Vergebung ist nicht vergeblich", lautete der Titel seines Vortrags.

Störanfällige Beziehungen

Jede Beziehung, ob im Kleinen oder im Großen, sei störanfällig, behauptete der ehemalige Leiter des Diakoniewerkes Wilhelmshof Uchtspringe. Es gebe immer zwei Seiten einer Vergebung. Sie müsse zum einen erbeten und zum anderen gewährt werden. Die Vergebung bedarf einer Entscheidung und sei gefühlsunabhängig.

Anders läge es bei einer Versöhnung, denn bei dieser würde auch das Herz einen wichtigen Part übernehmen. Aus diesem Grund könne die Vergebung auch zu einer Einbahnstraße werden. Auf jeden Fall sei der Weg zu einer Vergebung meist ein weiter.

Vergeben und vergessen, sei nur eine Floskel und meist nicht real, weiß Fischer aus seinem jahrzehntelange Erfahrungsschatz. Vergebung bedeute auch nicht, das Verhalten einer anderen Person zu entschuldigen und auch nicht ihm erneut zu vertrauen.

Zeit heilt nicht, sondern glättet nur

Aber sie sei die Basis für einen Neuanfang. Die Zeit heile nicht die Wunden, sie glätte nur die Wellen. Als ein Beispiel benannte er vor der Veranstaltung das Verhältnis zwischen Türken und Armeniern. Schließlich lebten Beziehungen von Vergebung und ermöglichen diese meist erst.

Jürgen Fischer war ab 1970 als Mitarbeiter der Evangelischen Suchtkrankenhilfe in der DDR maßgeblich am Wiederaufbau der ehemaligen Trinkerheilstätte Wilhelmshof aus dem Jahre 1909 beteiligt und leitete das Haus seitdem. 1990 erhielt Wilhelmshof wieder den Status eines Vereins und wurde zum Diakoniewerk. Diesem stand Fischer bis 2008 als Leiter vor. Die Veranstaltung am Sonnabend wurde von der Band FaTiKo musikalisch umrahmt. Fa - steht für Fabian Schlademann, Ti - für Tilmann Bieber und Ko - für Konrad Kindermann. Das musikalische Trio gewann den Landeswettbewerb für Nachwuchsjazzer in Sachsen-Anhalt und qualifizierte sich damit für den Bundesausscheid im Juni in Potsdam.

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