Salzwedel/Brüssel l Der Arbeitstag von Christian Franke im Abgeordnetenbüro von Rebbecca Harms im europäischen Parlament beginnt immer mit einem Blick ins Email-Fach. Täglich treffen hunderte Nachrichten bei der Vorsitzenden der Grünen Fraktion ein. Dazu kommen Anfragen in den sozialen Netzwerken. Wenn möglich, sollen alle Nachrichten irgendwann beantwortet werden. Die Pflege der Kommunikationskanäle ist eine der Hauptaufgaben des 22-jährigen Salzwedelers.

Als Praktikant lernt Christian Franke seit dem 1. April den Alltag im Europaparlament aus nächster Nähe kennen. Sechs Monate dauert der Aufenthalt des Studenten der Politikwissenschaft in der belgischen Hauptstadt insgesamt. Das Praktikum absolviert er im Rahmen seines Studiums.

Die Tätigkeit im Büro von Rebecca Harms war für Christian Franke eine logische Wahl. Seit sieben Jahren ist er in der Partei aktiv. Und schon seit längerer Zeit pflegt er einen intensiven Austausch mit der Fraktionsvorsitzenden Rebecca Harms, die aus dem Wendland stammt. Die Zusammenarbeit fand daher in erster Linie auf der lokalen Ebene statt. "Ich habe Rebecca vor etlichen Jahren kennengelernt, als es darum ging, den Kontakt zwischen den Kreisverbänden des Wendlands und der Westaltmark auszubauen", berichtet Christian Franke.

In Brüssel stehen natürlich andere Themen im Vordergrund. Als Teil eines vierköpfigen Teams organisiert Christian Franke den Arbeitsalltag von Rebecca Harms. Ein großer Teil der Zeit geht dabei für die Koordination der Fraktion drauf. Die gestaltet sich gar nicht so einfach, gehören ihr doch 50 Mitglieder aus 17 verschiedenen Staaten an. Sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift sind deshalb eine unabdingbare Voraussetzung für die Tätigkeit.

Neben der Fraktionsarbeit ist die europäische Außenpolitik eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder der Fraktionsvorsitzenden. In den vergangenen Monaten nahm vor allem die Ukraine-Russland-Krise einen wichtigen Platz auf der Agenda ein. Schlagzeilen machte in diesem Zusammenhang, dass Rebecca Harms als eine der ersten europäischen Politikerinnen von Russland mit einem Einreiseverbot belegt wurde.

In den vergangenen Wochen rückte außerdem der Umgang mit Flüchtlingen an den Außengrenzen der Europäischen Union in den Vordergrund. "In diesem Zusammenhang habe ich gelernt, wie Entscheidungen auf der europäischen Ebene getroffen werden. Das ist aber zum Teil auch eine frustrierende Erfahrung, weil der Weg zur endgültigen Entscheidung sehr lang ist", sagt Christian Franke.

Seine politische Tätigkeit im Stadtrat von Salzwedel vermisst Christian Franke in Brüssel im Übrigen nur zum Teil. Er sei über alle Entwicklungen in der Hansestadt informiert. Die Vertreterlösung in der Ausschüssen funktioniere sehr gut. "Zu den wichtigen Entscheidungen reise ich ohnehin an. Aber der Abstand tut gut. Durch die Distanz wird man gelassener und nimmt nicht mehr alles so ernst. Und es ist auch ein schönes Gefühl, dass manche Dinge auch ohne mich funktionieren", erzählt der Nachwuchspolitiker.

Über kurz oder lang wird er sowieso nach Salzwedel zurückkehren, ist doch die Zeit im Europaparlament begrenzt. Bis dahin genießt er das Leben in Brüssel. "Die internationale Atmosphäre ist toll, das ist ein wenig wie im Urlaub", sagt Christian Franke.