Sabine Rönnefahrt zog als Kandidatin der PDS in den ersten frei gewählten Salwedeler Stadrat im Jahr 1990 ein. Bei der Arbeit im Gremium ging es damals hoch her.

Salzwedel l In den ersten Monaten des Jahres 1990 machten sich in der SED-PDS Auflösungserscheinungen bemerkbar. Scharenweise verließen die Genossen ihre Partei. Auch nach der endgültigen Umbenennung in die "Partei des Demokratischen Sozialismus" im Februar 1990 hörte der personelle Aderlass nicht auf.

"Wollte den Neuanfang mitgestalten."

In dieser Situation entschied sich Sabine Rönnefahrt, der PDS die Treue zu halten. "Ich war eine der wenigen, die in der Partei geblieben sind. Ich wollte den Neuanfang mitgestalten", erinnert sich Rönnefahrt an die turbulente Zeit vor 25 Jahren. Die Horterzieherin kandidierte deshalb bei den ersten freien Kommunalwahlen der DDR am 6. Mai 1990.

Größere politische Ambitionen verband Sabine Rönnefahrt damit nicht. Trotzdem erhielt sie auf Anhieb fast 500 Stimmen und fuhr damit das zweitbeste Ergebnis ihrer Partei ein. Als Belohnung wurde sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Gleichzeitig übernahm sie den Vorsitz des Sozial- und Wohnungsausschusses.

"Im Stadtrat ging es ziemlich hoch her."

"Die vielen Stimmen waren eine große Überraschung für mich. Ich hätte nie gedacht, in den Stadtrat gewählt zu werden", sagt Sabine Rönnefahrt heute. Auf die frisch gebackene Stadträtin warteten einige Herausforderungen. Es galt, die Wende auf kommunaler Ebene zu organisieren. Die politischen und wirtschaftlichen Strukturen der DDR lösten sich auf und mussten durch neue ersetzt werden. Der erste Stadtrat hatte richtungsweisende Entscheidungen zu treffen. Dazu gehörte die Gründung der Stadtwerke und die Erschließung der ersten Gewerbegebiete. Es wurde der Grundstein für das Altmark-Center gelegt.

"Die DDR-Vergangenheit war noch sehr präsent."

Die Entwicklung der Innenstadt genoss ebenfalls höchste Priorität.

Es bestand akuter Sanierungsbedarf. Für hitzige Diskussion sorgte der Rathausturmplatz, dessen Neugestaltung bereits damals erheblichen Zündstoff bot. "Da ging es ziemlich hoch her, weil sehr unterschiedliche Meinungen aufeinander prallten", schildert Sabine Rönnefahrt die Atmosphäre im Stadtrat. Dabei sei das Verhältnis zwischen den verschiedenen Fraktionen insgesamt nicht immer spannungsfrei gewesen. Insbesondere die PDS sei kritisch beäugt worden, berichtet die ehemalige Stadträtin.

"Die DDR-Vergangenheit war damals natürlich noch sehr präsent. Das haben wir deutlich gespürt", nennt Rönnefahrt den Grund für die Vorbehalte der anderen Parteien. "Andererseits war die Arbeit in den Ausschüssen konstruktiv, wenn es um reine Sachfragen ging. Da hat die Parteizugehörigkeit nicht so eine große Rolle gespielt", weist die damalige Sozialausschussvorsitzende auf einen weiteren Aspekt der ersten Salzwedeler Legislatur hin.

Insbesondere mit der CDU-Rätin Christa Rietzschel hätte man gut zusammengearbeitet. "Uns hat verbunden, dass wir uns vor allem um die kleinen Leuten kümmern wollten", sagt Sabine Rönnefahrt, die inzwischen nicht mehr im Stadtrat sitzt.

Ganz abgeschworen hat die 67-Jährige der Politik aber noch nicht. Als sachkundige Einwohnerin im Finanzausschuss ist sie immer noch nah dran am Geschehen.