Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat die Grundidee des Salzwedeler Mehrgenerationenhauses nicht verstanden. Diesen Eindruck vermittelt zumindest das Verhalten der Verantwortlichen. Schon mit der Ausgliederung des Mittagstisch-Angebotes hat man einen Grundpfeiler der Einrichtung ganz ohne Not ins Wanken gebracht. Denn der Austausch und das Zusammensein mit Gleichgesinnten bei einem vor Ort gekochten Essen sind es, was den Mittagstisch ausmacht. Nicht umsonst hat sich mit der Umstellung auf einen Lieferservice nicht mal mehr eine handvoll Interessenten angemeldet. (siehe nebenstehender Artikel).

Der zweite große Fehler der Awo war es, die ehrenamtlich tätigen Rentner mit zum Teil für sie undurchsichtigen Verträgen in eine Scheinselbstständigkeit treiben zu wollen. Dass die Betroffenen somit schweren Herzens ihr Angebot einstellen, statt im Alter noch ein Kleinstgewerbe anzumelden, muss den Verantwortlichen klar gewesen sein. Somit ist ein weiterer fester Bestandteil des gemeinnützigen Projektes zunichte gemacht worden.

Doch der größte Fehler des neuen MGH-Betreibers war es, sich bei den ersten Anzeichen von Problemen nicht an Stadt und Kreis zu wenden. Anstatt offen zuzugeben, dass man sich mit der Übernahme des Mehrgenerationenhauses maßlos überschätzt hat, versuchte man sich unter dem Deckmantel der gefährdeten Gemeinnützigkeit und der daraus resultierenden fristlosen Kündigung aller Verträge aus der Affäre zu ziehen.

Und was macht die Stadtverwaltung? Obwohl mindestens bei der ersten internen Beratung offen angelogen, wird die Awo öffentlich in Schutz genommen. Kritik? Fehlanzeige. Die Schuld wird wie so oft lieber bei anderen gesucht. Beim Bund beispielsweise, der sich "ausklinkt", obwohl die Bundesregierung erst vor kurzem erklärt hatte, die Förderung von Mehrgenerationenhäusern verstetigen zu wollen.

Aus Sicht von Oberbürgermeisterin Sabine Danicke sind zudem auch die Medien nicht unschuldig, die mit ihrer "Negativ-Kampagne Partner für weitere Verhandlungen verprellen", wie sie am Mittwoch während der Stadtratssitzung sagte. Das ist ein Affront - denn nur durch kritische Berichterstattung und tiefgehende Recherche konnte die breite Öffentlichkeit von den undurchsichtigen Machenschaften der Awo erfahren.

Nun wird versucht, den Mantel des Schweigens über die Verhandlungen und das weitere Vorgehen zu hüllen. An die Öffentlichkeit soll nur gelangen, wie sehr sich alle Beteiligten bemühen, eine Lösung zu finden. Immerhin ist der Bestand der Einrichtung bis zum Jahresende gesichert. Doch mit welchen Bedingungen - seitens der Awo - diese Zusage verbunden ist, bleibt im Verborgenen - ein Schlag ins Gesicht für alle Mitarbeiter, Besucher und ehrenamtlichen Helfer im MGH.

Eins steht jedoch fest: Höhlt die Awo das Gesamtprojekt Mehrgenerationenhaus noch weiter aus, wird die Einrichtung ihre Seele verlieren. Dann bleibt eine leere, inhaltlose Hülle zurück. Das Festhalten an der Awo als Betreiber würde dann wohl das Aus für das für die Menschen und den Stadtteil so wichtige Haus bedeuten.