Einige organisatorische Schritte sind noch zu gehen, bevor mit Beginn des kommenden Jahres die Kreishandwerkerschaft Altmark ihre Arbeit aufnimmt. Der westaltmärkische Kreishandwerksmeister Adelbert Neuling sieht die Fusion der beiden berufsständischen Vertretungen auf einem guten Weg.

Klötze. Der erste Pflock wurde bereits vor mehr als zwei Jahren eingeschlagen, im Mai 2008, als die Kreishandwerkerschaften des Altmarkkreises und Stendal eine Kooperationsvereinbarung abschlossen. Ziel der Kooperation: eine Fusion spätestens zum 31. Dezember 2011. "Wer wie das Handwerk gegenüber der Politik eine Reduzierung der Belastungen von Betrieben und Bürokratieabbau fordert, muss im eigenen Bereich eine effi- ziente Aufgabenwahrnehmung vorleben", so Adelbert Neuling weiter.

Hintergrund der Fusion ist eine Organisationsstrukturreform des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Im Bereich der Handwerkskammer Magdeburg sollen demnach drei so genannte Leitstellen entstehen: neben der nördlichen in Stendal eine Leitstelle Mitte für Magdeburg sowie die Landkreise Börde und Jerichower Land sowie Schönebeck. Die Bereiche Halberstadt, Wernigerode, Aschersleben und Quedlinburg sollen die Leitstelle Süd bilden. Dass die Bildung der neuen Struktur in der Altmark am weitesten gediehen ist, führt der Kreishandwerksmeister darauf zurück, dass es im Norden Sachsen-Anhalts zuletzt keine Kreisgebietsreform gab.

Noch im Februar werden die Vorstände der beiden altmärkischen Kreishandwerkerschaften tagen, blickt Adelbert Neuling auf die nächsten Stationen voraus. Dem Vorstand der westaltmärkischen Kreishandwerkerschaft gehören fünf, dem Stendaler Führungsgremium sieben Mitglieder an, die jeweiligen Kreishandwerksmeister eingeschlossen. "Das neue Gremium wird dann voraussichtlich ebenfalls sieben Mitglieder haben, den Kreishandwerksmeister eingeschlossen", so Adelbert Neuling weiter. Vor einer gemeinsamen Vorstandssitzung werde noch der Kooperationsrat zusammenkommen, dem Adelbert Neuling, sein Stendaler Kollege Hans-Erich Schulze sowie die beiden Geschäftsführer Bernhard Brauer und Lutz Kahler angehören. "Das letzte Wort haben die Mitgliederversammlungen, sie sind unser höchstes Gremium", erläutert Adelbert Neuling. Ein gemeinsamer Vorstand könnte voraussichtlich im Herbst gewählt werden.

An der gemeinsamen Satzung werde seit April gearbeitet. Schwerpunkt sei die Frage der Beiträge. "Es muss eine gerechte Beitragsordnung sein. Kein Mitglied soll mehr bezahlen", betont Adelbert Neuling. Während in der westlichen Altmark die Beiträge auf Basis der Bruttolohnsumme erhoben werden, sei in Stendal immer noch die Beschäftigtenzahl die Berechnungsgrundlage.

Besonders am Herzen liegt Adelbert Neuling, dass sich engagierte Kandidaten für den Vorstand finden. Sein Anliegen verbindet er mit dem Appell an jüngere Kollegen, sich im Spitzengremium der Kreishandwerkerschaft Altmark einzubringen und derart die Selbstverwaltung zu stärken.

Die Innungen sollen grundsätzlich wie bisher auf Ebene der Landkreise erhalten bleiben. "Das schließt natürlich freiwillige Zusammenschlüsse nicht aus, wenn die Handwerker das wirklich wollen", fügt Adelbert Neuling hinzu. Auch die Geschäftsstellen inklusive des Leistungsangebotes und der vertrauten Mitarbeiter sollen erhalten bleiben. Einzige Ausnahme: Der westaltmärkische Geschäftsführer Lutz Kahler wird im Herbst 65 Jahre alt und scheidet dann aus. Sein Stendaler Kollege Bernhard Brauer wird die Geschäfte der Kreishandwerkerschaft Altmark führen. Die bisherige Geschäftsstelle in Gardelegen wird dann eine Außenstelle des Sitzes in Stendal sein.

Adelbert Neuling setzt große Hoffnungen in die neue Struktur, dass die neue Kreishandwerkerschaft mit ihren etwa 650 Mitgliedsbetrieben sich mit neuen Gewicht Gehör verschafft. Denn Probleme gebe es genug. Der Kreishandwerksmeister verweist auf die Schwarzarbeit, den Verbleib von ausgebildeten Fachkräften, eine niedrigere Besteuerung von Handwerkerleistungen und die angestrebte Erhöhung des Organisationsgrades in den Innungen.