Salzwedel. Prozessbeobachter und Beteiligte mussten am gestrigen Morgen im Amtsgericht Salzwedel durch eine Metalltorschleuse gehen und wurden von Gerichtsbediensteten kontrolliert. Denn Sicherheit war geboten: Immerhin ging es bei dem Verfahren um eine mutmaßlich politisch motivierte Straftat. Konkret: ein rechtsextremer Angriff auf ein linksautonomes Zentrum in Salzwedel. Nach der Tat im Februar 2010 hatte der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen. Während der gestrigen Verhandlung konnte die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen werden, daher wurde ein Fortsetzungstermin vereinbart.

Zum Fall: Dem 24-jährigen Angeklagten wird von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, dass er vor rund einem Jahr an einer gefährlichen Körperverletzung in einem linken Vereinshaus in der Altperverstraße 34 beteiligt war. Dabei erhielt ein 19-Jähriger mehrmals Schläge ins Gesicht. Etwa zehn vermummte Angreifer sollen die Räumlichkeiten verwüstet haben. Eine im Internet angekündigte Infoveranstaltung der Antifa gegen einen Naziaufmarsch in Dresden hätte die mutmaßlichen Täter auf das Haus aufmerksam gemacht, in dem sich Mitglieder des Vereins "Kucou – Kunst und Courage" treffen. Nach dem Überfall flüchteten die Angreifer.

Der angeklagte Salzwedeler, der sich im Gerichtssaal auf Nachfrage offen zu seiner rechten politischen Meinung bekannte, äußerte sich zu dem Vorwurf und legte ein Alibi vor. Demnach sei er an jenem Abend bei einem Arbeitskollegen nahe Hankensbüttel zu Besuch gewesen. Er habe erst von Staatsschutzbeamten, die ihn später am Abend aufsuchten, von dem Überfall erfahren. Sein Arbeitskollege, der als Zeuge geladen war, bestätigte diese Version. Jedoch konnte er das Treffen zeitlich nicht genauer eingrenzen. Das heute 20-jährige Opfer sagte im Zeugenstand aus, es habe keinen der maskierten Angreifer identifizieren können. Doch es habe einen "Rädelsführer" gegeben, der den Überfall geleitet hätte. "Von der Größe und Statur her würde es zum Angeklagten passen", so der junge Mann. Zwei weitere Zeugen konnten ebenfalls keine genaueren Angaben zu den Tätern machen.

Amtsgerichtsdirektor Andreas Wüstenhagen unterbrach die Hauptverhandlung und terminierte die Fortsetzung auf den 1. März. Dann wolle er einen weiteren Zeugen hinzuziehen, der Licht ins Dunkel bringen könnte.