Hansestadt, Die Baumkuchenstadt, Jenny-Marx-Stadt? Geht es nach dem Freundeskreis, sollte die in Salzwedel geborene bedeutende Frau des 19. Jahrhunderts gebührend gewürdigt werden. Karl-Heinz Reck und dessen Mitstreiter sehen großes touristisches Potenzial – bis ins Reich der Mitte – und werben in der Politik um Unterstützung. So auch Dienstagabend beim Treffen der Freien Liste "Für Salzwedel" im Hanseat.

Salzwedel. Die Stadt Trier vermarktet Karl Marx, Eisleben Martin Luther. Und Salzwedel? Derzeit die Hanse und den Baumkuchen. "Ob es Hanse, Baumkuchen oder Jenny Marx ist – alles Potenzial muss genutzt werden." Das sagte Karl-Heinz Reck am Dienstagabend während des Treffens der Freien Liste "Für Salzwedel" im Hanseat. Gemeinsam mit drei Mitstreitern vom Freundeskreis Jenny Marx warb der Hansestädter um politische Unterstützung für das Vorhaben, die bedeutende Frau des 19. Jahrhunderts rechtzeitig vor ihrem 200. Geburtstag am 12. Februar 2014 in den Fokus zu rücken. Mitgebracht hatte er Klaus Adam, Helmut Bartels und Steffen Langusch.

"Diese starke Frau muss in ihrer Geburtstadt eine Würdigung erfahren", sagte Karl-Heinz Reck. Sieben Kinder hat die Ehefrau eines genialen, aber auch untreuen Mannes geboren. Das Bild der Frau müsse zurechtgerückt werden, forderte Karl-Heinz Reck. Dazu sei politische Unterstützung notwendig. Das Projekt koste erst einmal Geld, das sich aber auszahlen werde, und brauche deshalb Mehrheiten. Der Freundeskreis sei keinesfalls eine Veranstaltung linker Spinner, sondern sehe Potenzial, das Salzwedel im Wettbewerb mit anderen Städten ausspielen muss. Immerhin sei der Geburtsort ein Alleinstellungsmerkmal für eine Person. Dazu müsse die Region ein Bewusstsein für Jenny von Westphalen, die Weggefährtin von Karl Marx, entwickeln.

Im zweiten Jahr nach der Gründung ist der Freundeskreis auf einem guten Weg. "In der Musikschule, dem Geburtshaus von Jenny von Westphalen, sind zwei Räume für die touristische Nutzung vorgesehen", frohlockte Karl-Heinz Reck und sprach dem Altmarkkreis Salzwedel seinen Dank für die außerordentlich gute Unterstützung aus.

Das Thema Jenny von Westphalen solle im März bei Gesprächen mit Salzwedels Oberbürgermeisterin Sabine Danicke sowie Landrat Michael Ziche in den Fokus gerückt werden. Ziel sei es, so Reck weiter, in Erfahrung zu bringen, ob die Gebietskörperschaften die Vorbereitung der Geburtstagsfeierlichkeiten 2014 übernehmen oder ob der Förderkreis dieses Vorhaben schultern muss.

Für die Organisation einer Vortragsreihe über bedeutende Frauenpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts habe man bereits Kontakt mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung aufgenommen, berichtete Karl-Heinz Reck. Stadtarchivar Steffen Langusch, der über die Vorfahren von Jenny von Westphalen forscht, könnte sich vorstellen, im Zuge der Geburtstagsfeierlichkeiten eine Ausstellung des Magdeburger Porträtbildhauers Apel nach Salzwedel zu holen. Eine weitere Idee wäre, die Familie Marx in der Kunst zu beleuchten. In diese Richtung gehe das vom Stipendiatenförderverein angestoßene Projekt Jenny.

Karl-Heinz Reck zeigte touristisches Potenzial auf. Er zitierte einen Bericht der Wirtschaftswoche, wonach jährlich tausende Touristen aus China im Rahmen von Bildungsreisen Deutschland besuchen. Viele würden während ihres im Schnitt zweitägigen Aufenthaltes in der Bundesrepublik auch Station im Geburtshaus von Karl Marx in Trier machen. Dort werde gern verschwiegen, dass die Ehefrau des großen Proletariers in Salzwedel geboren wurde, argumentierte Karl-Heinz Reck. Den Norden würden viele Besucher aus dem Reich der Mitte ausklammern. Hier schlummere ein Riesenpotenzial, so seine Vision.

China werde immer reicher. Demzufolge würden auch immer mehr Chinesen reisen. "Wenn es geschickt gelingt, ein Angebot zu machen, kann man sich die Ausmaße vorstellen", so der Salzwedeler. "Vielleicht sollte man darüber nachdenken, zum nächsten Neujahrsempfang nicht die US-Generalkonsulin, sondern einen Gesandten aus China zu holen." Das Hotellerie- und Gastgewerbe sowie die Geschäfte könnten perspektivisch davon profitieren. Helmut Bartels sah bei Wirtschaftsreisenden die räumliche Nähe zum Standort Wolfsburg als einen Vorteil an.

Aus den Reihen der Freien Liste kam Dienstagabend der Vorschlag, die Exponate der geplanten Ausstellung in der Kreismusikschule in deutscher, englischer und chinesischer Sprache zu beschriften. Darüber hinaus, so die Idee, sollte im Internet eine Seite mit Informationen über Salzwedel, Jenny von Westphalen (Marx) und ihren berühmten Ehemann freigeschaltet werden. Möglicherweise sogar in chinesischer Sprache. Für die Übersetzung müsse ein Muttersprachler gefunden werden.