#NULL#Kunrau. Erst fünf Namen stehen auf der Empfangsliste, doch dabei wird es nicht bleiben. Denn die zwei Aktenordner, die im Klötzer Bauamt liegen, bieten interessanten Lesestoff. Zumindest für diejenigen, die in Kunrau, Neuferchau oder Rappin leben. Das Antragsverfahren für die geplante Schweinemastanlage mit 8250 Tierplätzen an der Kreisstraße zwischen Kunrau und Rappin ist in dieser Woche in die öffentliche Phase getreten.

3,5 Millionen Euro wollen die Bentheimer Schweinezüchter Johann und Holger Koelmann investieren. Geplant sind zwei Mastställe - 71,3 Meter lang und 55,75 Meter breit. Zwei Güllebehälter, acht Futtersilos, Kadavercontainer, Sanitärtrakt gehören ebenfalls zur Anlage, die auf einem 20 300 Quadratmeter großen eingezäunten Betriebsgelände errichtet werden soll.

Der Leser dieser Lektüre erfährt unter anderem, dass den Mastschweinen, sie sollen nach 120 Tagen 110 Kilogramm wiegen, lediglich bis zu 0,78 Quadratmeter Nutzfläche je Tier zur Verfügung stehen. Alle zwei Wochen werden 1000 Ferkel eingestallt, wöchentlich 134 Tonnen rohproteinarmes Trockenfutter verfüttert. Durch das Spezialfutter, teuerer als marktübliches, soll die anfallende Ammoniakmenge verringert werden - um bis zu 20 Prozent. Das schlägt sich am Ende bei der Berechnung der Geruchs- immission nieder. Laut einem Gutachter hätten Kunrau und Neuferchau nichts zu befürchten. Die Irrelevanzschwelle der Geruchsimmissionsrichtlinie, sie liegt bei zwei Prozent, werde eingehalten. Für Rappin liegt sie laut Gutachten aber bei 2,4 beziehungsweise 2,9 Prozent. In den Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung werden hingegen 1,9 beziehungsweise 1,8 Prozent genannt. Eine Unschärfe? Auffällig ist auch, das für den Brandschutz eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden muss. Die Ställe sind zu groß. Nur, aus der Begründung wird nicht ersichtlich, wie die 8250 Schweine im Brandfall gerettet werden sollen.

Hinsichtlich der Gülle scheinen die Niedersachsen auf der sicheren Seite zu sein. Sie haben sechs Sechs-Jahres-Verträge für 744 Hektar Land. 437 Hektar werden für die Gülleausfuhr - dreimal jährlich à 14 Tage - benötigt. Doch auch da lohnt sich genaues Hinsehen. So befindet sich ein Flurstück auf einem Moor nahe des Tangelnschen Baches. Bis zu 24 300 Kubikmeter Wasser werden jährlich benötigt. Die Investoren wollen nach Möglichkeit aus einem eigenen Brunnen das kostbare Nass bereitstellen. Notfalls gehe aber auch öffentliches Trinkwasser, heißt in den Unterlagen, die von Mitgliedern der Kunrauer BUND-Ortsgruppe bereits gelesen wurde. Die Ortsgruppe hat 1500 Unterschriften gegen die geplante Schweinemast gesammelt. Bis zum 5. April können Einwände gegen das Projekt schriftlich eingereicht werden.