Salzwedel. Für die Theaterhäuser ist es immer mit einem gewissen Risiko verbunden, alte Bühnenstücke in ein neues Gewand zu kleiden. Dem Nordharzer Städtebundtheater ist dieses mit einem Spagat über einen fast zweihundertfünfzig Jahre währenden Zeitraum allerdings vortrefflich gelungen. Am Freitag präsentierten die Harzer im Kulturhaus das Schauspiel "Die Räuber" von Friedrich Schiller. Genau wie Schiller 1782 mit seinem Stück für Aufsehen sorgte, ist es auch Regisseur Paul Burian gelungen, dass die Neuinszenierung nun Diskussionsstoff bietet.

Am Freitag verfolgten mehr als 300 Besucher die Aufführung. Es war ein altersmäßig gut gemischtes Publikum. Darunter auch zwei neunte Klassen der Salzwedeler Jeetzeschule, die sich dieses Stückes noch einmal im Deutschunterricht annehmen werden.

Mit seinem Erstlingswerk, welches 1782 in Mannheim uraufgeführt wurde, stach Schiller in das sprichwörtliche Wespennest. Aufführungsverbot und sogar Gefängnis waren der Lohn seines Landesfürsten für das zu seiner Zeit äußerst provokante Werk. Trotz allem erlittenen Ungemach zahlte es sich für Schiller schließlich doch aus. Sein Name war in aller Munde und machte ihn so auf einem Schlag berühmt. Ein großes Werk, das einer großen Bühne bedarf. Und so wurde die Kulturhausbühne noch einmal verlängert und der Zuschauerraum in die Aufführung mit einbezogen. Ein bisschen Irritation herrschte beim Publikum, als die Räuberbande lautstark zwischen den Gängen entlang stürmte und Franz von Moor (Benedikt Florian Schörnig) sich unvermittelt aus dem Publikum erhob und einen Prolog hielt. Rockmusik tönte aus den Lautsprechern, Videosequenzen flimmerten über die Leinwände, statt eines berittenen Boten kam die Post per E-Mail. Mit modernem Equipment und teils zeitgemäßem Jargon zeigte der Regisseur, dass das Drama auch nach über 200 Jahren nicht an Aktualität verloren hat.

Mit den Versen aus Schillers Feder taten sich die jüngeren Besucher aber etwas schwer. Die für sie etwas ungewohnten Formulierungen forderten ihnen erhöhte Konzentration ab. Um besser zu verstehen war die Verknüpfung mit dem heutigen Sprachschatz recht hilfreich.

Das Wechselspiel zwischen Liebe, Hass, Intrige und Verrat hat bis heute nicht an Faszination verloren. Seit Kain und Abel, dem verstrittenen Bruderpaar aus der Bibel, nimmt sich die Literatur immer wieder gern dieser Thematik an. Es berührt die Leser und füllt Theater und Kinos. Auch bei Schiller standen sich die Brüder Karl von Moor (Markus Manig), der vom Vater (Frank Hoffmann als Gast) Bevorzugte, und Franz von Moor gegenüber. Amalia von Edelreich (Susanne Rösch) verschmäht Franz\' Liebe zu ihr, liebt sie doch den Bruder. Dadurch wird der Hass von Franz auf den Bruder noch geschürt. Das Drama endet, wie ein Drama enden muss - mit vielen Toten. Getötet durch Neid, Missgunst, Hass, Herzschmerz und Missverständnisse.

Schwäche in der Akustik

Die fast durchweg mit jungen Schauspielern besetzte Crew brachte viel Temperament auf die Bühne. Moritz Spiegelberg (Robin Weinem), Razmann (Andreas Schickardt), Roller (Julian Brinkner) und Schweizer (Jörg Vogel) überzeugten mit schauspielerischem Talent, das vor jugendlichem Elan nur so sprühte.

Der vielleicht einzige Kritikpunkt des Abends: Die mit recht hohem technischem Aufwand inszenierte Aufführung hatte leichte Schwächen im Bereich der Akustik. Geführte Dialoge, besonders aus dem hinteren Bereich der Bühne, waren mitunter sehr schlecht zu verstehen. Das Publikum dankte dem Theater mit reichlich Beifall und belohnte dieses zusätzlich auch zwischendurch mit spontanem Applaus.

   

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