Der Circus Constanze Busch gibt in der kommenden Woche in Salzwedel mehrere Vorstellungen. Ein Gastspiel, das unter einem ungünstigen Stern steht. Das aus Mannheim stammende Zirkusunternehmen war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Im Vorjahr brach eine Zuschauertribüne ein, die Tierschutzorganisation PETA Deutschland stellte bei einer Kontrolle 2003 eine nicht artgerechte Tigerhaltung fest.

Salzwedel. Vom 17. bis 20. März schlägt der Circus Constanze Busch sein Zelt auf dem Festplatz an den Kämmereiteichen auf. Zum Tross gehören neben Kamelen, Pferden und Ochsen auch Tiger. Deren Haltung war von PETA vor acht Jahren scharf kritisiert worden. Sieben Tiere seien damals in einem mit Urin getränktem, heruntergekommenen Transportkäfig vorgefunden worden. Grund genug für Aktionen von militanten Tierschützern. Im Bernburger Winterquartier schmierten sie mit roter Farbe Parolen an die Zirkuswagen. In Salzwedel fasste die Polizei am Montagabend drei Jugendliche, die an Arendseer und Magdeburger Straße Werbeplakate des Zirkusses heruntergerissen haben sollen.

Zirkussprecher Helmut Pozinski wehrt sich gegen die Vorwürfe einer nicht artgerechten Haltung. "Die Tiere werden bei uns gut behandelt. Im Winterlager ist der gesamte Bestand entwurmt und geimpft, bei den 19 Pferden die Hufpflege vorgenommen worden", sagt er. Die Tiger hätten in den Gastspiel-orten einen großen Auslaufkäfig und ein Wasserbecken.

Das Veterinäramt des Salzlandkreises bestätigte gegen-über der Volksstimme, dass sowohl bei Ankunft am 30. November als auch beim Verlassen des Winterquartiers am 7. März Kontrollen vorgenommen worden sind. Zudem gab es drei weitere, davon zwei unangekündigte Überprüfungen. Ergebnis: "Die in Rede stehende problematische Haltung der sibirischen Tiger kann nicht bestätigt werden. Die Mindestanforderungen an die Haltungsbedingungen entsprechend der Zirkusleitlinien wurden erfüllt." Dies gelte in Größe und Ausstattung für Tigerwagen wie Außengehege, ebenso für die anderen Tiere. Allerdings stellte Dr. Christian Lutter auch fest: "Über die Qualität des Zirkus sind noch andere Kriterien für die Intensität der Dressur, der Umgang mit den Tieren durch das Personal etc. von Bedeutung. Hier gibt es nach meiner Einschätzung durchaus Zirkusse mit höheren Ansprüchen an sich selbst".

PETA-Sprecher Peter Höffken sagt, dass die Tierschutzorganisation ein grundsätzliches Wildtier-Verbot in Zirkussen fordert. Leider habe die Bundesregierung einen entsprechenden Entschließungsantrag des Bundesrates von 2003 bis heute nicht umgesetzt - im Gegensatz zu 13 europäischen Ländern. Die genannten Zirkusleitlinien des Landwirtschaftsministeriums sehen lediglich zwölf Quadratmeter für ein bis zwei Tiger vor und vier Quadratmeter für jedes weitere Tier. Käfige wie Außengehege würden in keiner Weise den Bedürfnissen der Tiger entsprechen. "In freier Wildbahn durchstreifen sie ein Revier von mehreren 100 Quadratkilometern. Ihr Bewegungsdrang ist enorm. Durch die permanente Gefangenschaft auf engstem Raum sowie den Trainingsdrill mit der Peitsche sind die meisten Tiger im Zirkus verhaltensgestört. Das zeigt sich beispielsweise durch ständiges Auf- und Abschreiten im Käfig", so Höffken. Laut PETA verwundere es nicht, dass 2006 eine Dompteurin des Circus Constanze Busch von vier Tigern angegriffen und schwer verletzt wurde.

Apropos verletzt: Im Vorjahr gastierte der Tross im thüringischen Buttstädt. Weil der Auftritt bei den Behörden nicht angemeldet wurde, konnte das Bauordnungsamt nicht wie üblich kontrollieren. Mit schwerwiegenden Folgen: Eine nicht ordnungsgemäß aufgebaute Zuschauertribüne stürzte ein. Zwei Seniorinnen wurden schwer, sieben Kinder und drei Erwachsene jeweils leicht verletzt.

Salzwedels Amtstierarzt Dr. Frieder Oßwald und Bürgeramtsleiterin Christina Schramm kündigten an, dass die Behörden ein wachsames Auge auf den Zirkus werfen werden.