Mit Luftballons und Plakaten protestierten gestern Nachmittag in Maxdorf rund 35 Altmärker gegen die Fortsetzung der Forschung für eine CO2-Verpressung in der Altmark. Aktueller Anlass sind geoelektrische Messungen per Hubschrauber im Auftrag der Kieler Universität.

Salzwedel. Der Forschungsverbund "Clean" arbeitet bereits seit dem 1. Juli 2008. Mehr als ein Dutzend wissenschaftlicher Einrichtungen und Firmen untersuchen in dem auf drei Jahre angelegten Projekt, ob und wie mit Kohlendioxid die Erdgasausbeute in der Altmark erhöht werden kann. Rund 80 Geowissenschaftler, Bohrexperten und Materialforscher aus 16 Institutionen der Wissenschaft und Wirtschaft sind im Forschungsverbund "Clean" vereint. Ursprünglich hatte das Bundesforschungsministerium 15,6 Millionen Euro für das dreijährige Projekt "CO2 Largescale EGR in the Altmark Naturalgas field" (großflächige CO2-Speicherung zur Erhöhung der Erdgasausbeute) bereitgestellt. Mittlerweile ist diese Summe reduziert, weil es für die eigentliche Feldforschung, bei der bis zu 100 000 Tonnen Kohlendi-oxid in eine Erdgas-Teillagerstätte bei Mahlsdorf über 3000 Meter tief verpresst werden sollen, bis heute nicht genehmigt ist.

"Clean" gliedert sich in fünf Themenverbunde: Technikums-anlage zur Injektion von Kohlendioxid (wird nicht vom Bundesforschungsministerium gefördert), Bohrungsintegrität, geowissenschaftliche Prozessbeschreibung, Umwelt- und Prozessüberwachung und öffentliche Akzeptanz. Die Koordinierung liegt in den Händen des Deutschen GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam. Im Kern geht es um den Nachweis, dass mit dem als Klimakiller verschrieenen CO2 die Erdgasausbeute in der Altmark erhöht werden kann (Enhanced Gas Recovery - EGR). Klassische Grundlagenforschung für die Industrie.

Die Verpressungsanlage ist bereits zwischen Mahlsdorf und Maxdorf errichtet, eine Ersatzzufahrt von der B 71 für die CO2 -Tanklastfahrzeuge in Form eines asphaltierten Feldweges erstellt. Ursprünglich sollte seit Anfang 2009 verpresst werden. Aber noch immer gibt es keine Gesamtgenehmigung vom Landesamt für Geologie und Bergbau für das nach Bergrecht beantragte Vorhaben. Sachsen-Anhalt wartet auf das nationale CO2-Speichergesetz Sollte ein solches Gesetz nicht bis zum Sommer vorliegen, tritt automatisch die CO2-Speicherrichtlinie der Europäischen Union in Kraft, die wesentlich industriefreundlicher und weniger restriktiv als der Referentenentwurf ist.

Nichtsdestotrotz geht die "Clean"-Forschung noch bis zum Sommer weiter. Unter anderem gab es ein Versuch zum Langzeitverschluss von Bohrlöchern und eben gestern und heute die geoelektrischen Messungen per Hubschrauber. Der Helikopter startete dabei vom Steinitzer Betriebsgelände von GDF Suez und flog in 50 Meter Höhe ein 3x5 Kilometer großes Areal bei Mahlsdorf ab. Die Wissenschaftler lassen nicht locker, sie wollen "Clean" auch nach dem Sommer fortsetzen - auf die Feldforschung hoffend.

Kein Wunder, dass gestern 35 Mitglieder und Sympathisanten der Bürgerinitiative "Kein CO2-Endlager Altmark" (BI) mit Luftballons und Plakaten in Maxdorf protestierten. Die Forschung für diese Technologie sei abzulehnen, weil sie ein irreversibles Restrisiko beinhalte, hieß es gestern. Rolf Zeißig von der BI verwies auf mögliche Mikrorisse im altmärkischen Untergrund, die CO2 entweichen lassen können. "Wir müssen jegliche Technologie ablehnen, die ein Restrisiko in sich birgt", betonte Stefan Quisdorf, und Christfried Lenz forderte die Anwesenden auf, nach der Landtagswahl genau hinzuschauen, wie die Landesregierung zum geplanten CO2-Pilotprojekt steht. "Notfalls müssen wir dann die Sprache des Wendlands sprechen", sagte er mit Blick auf den dortigen Widerstand gegen das Endlager Gorleben.

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