Stolz auf die Leistungen der zurückliegenden Jahre und Hoffnung, dass das Frauenhaus weitere "runde" Geburtstage feiern wird, prägten den gestrigen Empfang zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung. Zahlreiche Wegbegleiter kamen zum Empfang in die Alte Münze.

Salzwedel. Die Frage, warum ein Frauenhaus überhaupt nötig ist, wurde mit einem Fallbeispiel beantwortet. Eine Betroffene schilderte anonym ihr Schicksal, erzählte von zunehmenden Beziehungsproblemen, die schließlich in Nötigung, bedrohung und Verfolgung mündeten. Hilfe für den Start in ein neues Leben habe sie im Salzwedeler Frauenhaus gefunden, berichtete die Frau weiter. "Man muss solche Wege nehmen, aus Respekt vor sich selbst", hörten die Gäste des Empfangs das Resümee der betroffenen Frau. Eine Reaktion, die der Salzwedeler Amtsgerichtsdirektor Andreas Wüstenhagen aus den Schilderungen zahlreicher Frauen bestätigen konnte, die vor Gericht als Zeugen oder Geschädigte erschienen. "Wir sind dankbar, Sie an unserer Seite zu wissen", betonte Sandra Schmidt, Leiterin des Polizeireviers des Altmarkkreises. Die Polizei könne einiges im Rahmen des Opferschutzes tun. Für die weiteren Hilfen benötige man jedoch Hilfe des Frauenhauses.

Den Erinnerungen an den geradezu revolutionären und unkonventionellen Beginn folgten die Sorgen um den künftigen Bestand der Einrichtung. Aus finanziellen Gründen musste die Kapazität des Hauses um die Hälfte reduziert werden, erinnerte Brigitte Blaut, die kurz nach der Wende gemeinsam mit Iris Jugl das Frauenhaus gründete. Besonderen Dank richteten die Initiatorinnen an die beiden Mitarbeiterinnen Monika Ritter und Liane Kretschmer.

"Es ist erstaunlich, dass die Finanzierung der Frauenhäuser bundesweit noch nicht geklärt ist", stellte Dezernent Eckhardt Gnodtke fest, der Landrat Michael Ziche vertrat. Allerdings bestehe nach einer Beratung in der vergangenen Woche nunmehr die Hoffnung, dass das Problem mittelfristig gelöst werde. "Wichtig ist, dass das Frauenhaus bis dahin durchhält", sagte der Vize-Landrat.

Dafür überreichte er Renate Burmeister vom Trägerverein Frauen- und Kinderhaus einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 13 000 Euro. Erich Kaiser, Vertreter von Salzwedels Oberbürgermeisterin Sabine Danicke, verwies auf die im Haushalt der Hansestadt einge- stellten 15 000 Euro. Horst Günther Albrecht und Fritz Reising vom Lions-Club überbrachten den von 1 200 auf 2 000 Euro aufgestockten Erlös des Glühweinverkaufs vom Salzwedeler Weihnachtsmarkt. Amtsgerichtsdirektor Andreas Wüstenhagen erinnerte an die 30 000 Euro Bußgelder, die in den vergangenen sechseinhalb Jahren an das Frauenhaus geflossen seien, "nicht immer freiwillig gezahlt", fügte er schmunzelnd hinzu. Er könne nicht versprechen, dass das auch in Zukunft so sein werden, werde das Frauenhaus seinem Nachfolger jedoch ans Herz legen.