Linde, Robinie, Platane, Spitzahorn, Baumhasel: Dutzende Bäume sind dieser Tage im Bereich der Uelzener Straße verschnitten worden. Das Ergebnis ruft nun das "grüne Gewissen" der Stadt, die Bürgerinitiative (BI) Pro Baum, auf den Plan. Sprecher Karl-Heinz Fliegner spricht bei einer Fülle von Bäumen von Frevel in gröbster Form. Die Verantwortlichen sind schwer auszumachen: Wohnungsbaugenossenschaft und -gesellschaft weisen die Schuld von sich.

Salzwedel. "Das ist Baumfrevel in gröbster Form an bis dahin schön normal entwickelten Bäumen." Mit diesen Worten macht Hansestädter Karl-Heinz Fliegner seinem Ärger Luft. Dutzende Bäume sind beiderseits der Uelzener Straße in stadtauswärtiger Richtung beschnitten worden. Auch an Gehölzen auf den Lichthöfen zwischen den in Richtung Bahnlinie gelegenen Neubauten und denen am ehemaligen Altenheim wurde gesägt.

Betroffen sind nach Aussage des Sprechers der BI Pro Baum vornehmlich Linden, aber auch Robinie, Spitzahorn, Platane und Baumhasel. Ein Teil falle unter die Baumschutzsatzung, moniert Salzwedels "grünes Gewissen". "Der natürliche Kronenaufbau ist völlig zerstört", verweist der 78-Jährige auf die besonders verstümmelten Bäume. Stamm, Äste und Schluss: Einige der grünen Riesen ähneln derzeit eher Marterpfählen und Rasierpinseln als gesunden Bäumen. Bis sie wieder Schatten spenden, dürfte viel Zeit ins Land gehen.

Einst schöne Linden seien für den Rest ihres Lebens geschändet worden, meint Karl-Heinz Fliegner. Das natürliche Gleichgewicht zwischen Krone und Wurzel sei zerstört - mit bleibenden Folgen. Der Umweltaktivist fragt sich nun, wo die Ästhetik der stadtbildprägenden Bäume im öffentlichen Raum sein soll. Er spricht von Kappung, die nach geltenden Regelwerken nicht als Baumpflege zu verstehen sei. "Es reicht", fordert der BI-Sprecher rasche Aufklärung. "Wer hat gepflanzt? Wer ist Eigentümer? Wer hat den Auftrag gegeben?" Fragen, die nach Meinung von Fliegner dringend geklärt werden müssten. Die Volksstimme fragte nach.

"Das geht nicht auf unsere Kappe", wiegelt Wulf Ohmeyer, Leiter des städtischen Wirtschaftshofes, ab. Seine Mitarbeiter hätten in den zurückliegenden Wochen lediglich Totholz beseitigt und Lichtraumprofile gemacht. Allerdings "nur auf unseren Grundstücken", so der Betriebschef. Wie die Volksstimme berichtete, soll es sich um insgesamt 378 Bäume handeln.

Verantwortliche von Salzwedels großen Vermietern - Wohnungsbaugenossenschaft (WG) und Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) - bestätigen auf Nachfrage, Aufträge für Baumpflegearbeiten im Bereich Uelzener Straße ausgelöst zu haben. Für die drastisch beschnittenen Bäume will niemand verantwortlich sein.

"So einen Fehler macht man nur einmal", erinnert Uwe Poppe, Technischer Mitarbeiter der Wohnungsbaugenossenschaft, an die Aufregung um gefällte Kastanien vor wenigen Monaten (wir berichteten). "Das passiert nicht noch einmal", sagt er. Zu den jetzt erfolgten Arbeiten gebe er keinen Kommentar ab.

Sylvia Schliebe, die die derzeit im Urlaub weilende Wobau-Geschäftsführerin Gudrun Bubke vertritt, berichtet auf Nachfrage, dass vor dem Neubaublock Uelzener Straße 36 bis 44 Linden beschnitten wurden. Im Bereich der Garagen vor den Hausnummern 80 bis 84 habe es Arbeiten an den Pappeln gegeben. Mehr nicht.

Aussagen, mit denen sich die Mitglieder von Pro Baum nicht zufrieden geben dürften. Sie wollen das weitere Vorgehen besprechen und den Vorfall melden.