Eine Flaschenpost hat die Fleetmarker erreicht: Doch nicht auf dem Seeweg ist das über 140 Jahre alte Dokument in den Ort gekommen. Die ganze Zeit über steckte es in einem Stahlträger im alten Bahnhofsgebäude. Das Schriftstück weist die Lebensmittelpreise von 1870 aus.

Fleetmark. Es klirrte, als die Flasche, die thüringische Bauarbeiter beim Abriss des Fleetmarker Bahnhofs fanden, zu Boden fiel. Versteckt in einem Stahlträger, war sie beim Abriss runtergefallen. Was sich in ihr verbarg, überraschte selbst Bauarbeiter Klaus Schneider, der in seinen vielen Arbeitsjahren ab und an jahrzehntealte Dokumente findet.

Scheffel und Thaler

In der Flasche steckten zwei Stücke Papier aus dem Jahr 1870. Auf dem einen der Name des Verfassers, eines Bahnmeisters aus Magdeburg, auf dem anderen schrieb er, neben einem Fließtext, die Lebensmittelpreise vom 28. Oktober 1870 auf. Klaus Schneider übergab die Schriftstücke dem Fleetmarker Gerhard Baumbach. Er nahm diese dann genauer unter die Lupe. "Der Bahnmeister hatte schon seine Gründe das Schriftstück zu verfassen. Er wollte für die Nachwelt festhalten, wie teuer die Lebensmittel waren", so der 69-Jährige.

Eine Schaufel Roggen kostete am 28. Oktober 1870 zwei Taler, eine Schaufel Weizen kostete drei Taler, eine Schaufel Gerste ein und zweidrittel Taler, dieselbe Menge an Hafer ein und einzehntel Taler. Für Kartoffeln musste der Hungrige im Jahr 1870 einen halben Taler zahlen, für ein Pfund Butter 9/30 Taler. Für ein Quart (1,136 Liter) Bier mussten laut dem Schriftstück 1/20 Taler gelöhnt werden. Der Branntwein kostete dem Durstigen für einen Quart 1/6 Taler. "Der Alkohol war damals viel günstiger als heute. Auch diese Entwicklung ist sehr interessant", stellte Gerhard Baumbach fest. Auch die Schreibweise unterscheidet sich von der heutigen. Der Taler wurde "Thaler" geschrieben und die Schaufel nannte der Verfasser "Scheffel".

Die Schriftstücke will der Rentner nun dem Ortsbürgermeister und somit der Gemeinde zukommen lassen. "Das ist doch toll für die Chronik und fürs Ortsmuseum", meint er.

Seinen Bekannten aus dem Seniorentreff hat er die Schriftstücke schon gezeigt: "Mit der Lupe habe ich probiert, alles zu lesen", sagt er. Bald können dann auch die Fleetmarker und Leute aus der Umgebung die Aufzeichnungen des Bahnmeisters aus Magdeburg einsehen.

Auch Klaus Schneider von der thüringischen Baufirma ist zufrieden: "Wir finden ja ab und an was, und wenn dann der Fund dementsprechend gewürdigt wird, ist das super."

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