Salzwedel. Zwei großartige und weltbekannte Künstler sowie ein preisgekrönter Komponist gaben am Donnerstagabend in Salzwedel Kostproben ihres Könnens. Krasser hätten die Gegensätze beim Künstlercafé unter dem Dach der Stadt- und Kreisbibliothek nicht ausfallen können: In der gut besuchten Freydanckschen Villa prallten Kompositionen des Barock und der Moderne ja schon fast unbarmherzig aufeinander. Die Kreisvolkshochschule, der Förderverein Künstler- und Stipendiatenhaus sowie die Bibliothek hatten den Abend mit Valery Voronov und Freunden gemeinsam organisiert.

Der gebürtige Moskauer und seit 16 Jahren in Köln lebende Voronov, noch bis 31. März Stipendiat in Salzwedel, präsentierte drei moderne Kompositionen. Sie spiegelten die Entwicklung des Künstlers wider. Mit dem 1991 entstandenen "Ex oriente lux" stellte der Stipendiat eines seiner frühen Werke für Klavier in der Hansestadt vor. "Abbild" (2003) und "fugitive", ein vor wenigen Monaten uraufgeführtes WDR-Auftragswerk für Klavier und Violine, sollten folgen.

Im krassen Gegensatz dazu standen die beiden Sonaten aus der Feder von Johann Sebastian Bach, brillant dargeboten von Voronovs Freunden, seinem Landsmann Vassili Voronin sowie dem aus Weißrussland stammenden Dimitry Morosov.

Violinen-Virtuose Voronin und Ausnahmetalent Morosov (Klavier) sind international gefeierte Künstler, befinden sich derzeit auf Konzertreise. Beide hätten allein ein abendfüllendes Programm in einem großen Saal gestalten können. Für ihren Freund, "der verliebt in die kleine gemütliche Stadt Salzwedel" ist, kamen sie trotz prall gefüllten Terminkalenders für einen Kurzauftritt in die Altmark. Vom Publikum mit tosendem Applaus gefeiert, gaben Voronin und Morosov zunächst Bachs Sonata A-dur (BWV 1015) und Sonata h-moll (BWV 1015), um später mit Voronovs "fugitive" einen musikalischen Akzent zu setzen. Charlotte Knappstein interpretierte als Gastkünstlerin und Mitglied des Fördervereins Texte von Joseph Brodsky. Zum Andenken an die Opfer der Katastrophe in Japan erklang Voronovs Zyklus "Syntagmata". Kurze Musikstücke und japanische Haiku wechselten sich ab.

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