Der Traum eines jeden Bühnenkünstlers wurde am Freitag-abend Realität. Tosender Beifall brandete dem Liedermacher und Klavierkabarettisten Bodo Wartke bereits zu Beginn seines Auftritts im Kulturhaus entgegen.

Salzwedel. Genüsslich nahm der Wahl-Berliner die Vorschusslorbeeren in Empfang und dankte mit einem musikalischen Willkommensgruß. "Guten Abend und herzlich willkommen hier in Salzwedel zu meinem neuen Programm", begrüßte er die fast 600 Gäste und nahm gleich die erste Hürde. "Salzwedel - wie spricht man das aus?" fragte er ins Publikum. Eindeutige Zurufe aus dem Saal klärten ihn auf. "Also genau wie Salzstreuer, ist ja ganz einfach." Es komme immer auf die Betonung und die Silbentrennung an, das weiß der Wortjongleur und Reimfetischist nur zu genau.

In dem Programm belegte er, wie schön die deutsche Sprache in Reimform denn auch ist. Wie sollte eine Frau sein, damit sie ihn zu einem Liebeslied inspi-riere, wurde er einmal gefragt. "Sie muss sich reimen", war die klare Aussage von Bodo Wartke.

Und so fanden sich in seinen Liebesliedern all jene Frauen wieder, auf deren Namen sich hemmungslos und fantasievoll reimen lässt. So sang er von und für Andrea, Eva, Bettina und Claudia. Nur Verena, die er zwar mochte, war leider nicht zum Reimen zu verwenden. "Ja, früher hatte ich Liebeslieder gesungen, die an alle Frauen gerichtet waren. Aber es hatten sich immer die Frauen angesprochen gefühlt, die ich nicht gemeint hatte. Und die ich gemeint hatte, hatten sich nicht angesprochen gefühlt. Und darum habe ich meine Liebeslieder benutzerdefiniert", begründete er seine Entscheidung.

Ihren Ursprung hätten diese Gesänge in den Minneliedern des Mittelalters. "Es waren Lieder zum bezirzen. Und Minnesänger wie Walter von der Vogelweide ließen es ordentlich krachen", wusste er und ließ so den Fantasien des Publikums freien Lauf. Es ist das Wortspiel, welches er neben dem Klavierspiel meisterhaft beherrscht. Ein Liedermacher der alten Schule. Geniale Wortwendungen in seinen Liedern und Gedichten lassen deren Sinn nach jedem Vers unerwartet in eine neue Richtung driften.

Und die Zuschauer wischten sich die Tränen, hervorgerufen durch die Lachattacken auf die Bauchmuskulatur, genüsslich aus dem Gesicht. Ein Programm, das aber auch höchste Konzentration abverlangte. Denn im rasanten Tempo ergießen sich Worte, gefasst in Reime, über die gierig aufschnappende Menge.

Intellektueller Wortwitz, gepaart mit vollendetem Entertainment, garantierten so dem Publikum einen fast dreistündigen ununterbrochenen Kulturgenuss. Der Abgesang fiel dann auch beiden Parteien sichtlich schwer. Nur ungern ließen die Gäste Bodo Wartke ziehen und dieser ließ sich nur allzu gern durch frenetische Beifallsstürme immer wieder zu einer Zugabe überreden. Mit seinem Liebeslied "Andere Sprachen" verabschiedete sich Wartke von einem total begeisterten Publikum.

Beim internationalen Schlussakkord ließ sich Wartke Sprachen zurufen, in denen er das Liebeslied jeweils singen sollte. Neben französisch, englisch, italienisch und klingonisch wurde auch lateinisch gewünscht. "Kein Problem", seine Antwort. "Ich bin ein großer Latein-Liebhaber - ein richtiger Latin-Lover."

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