Banzau/Henningen. Noch vor seinem 30. Geburtstag folgte der Bergener Zimmermann Simon Meier einer langen Tradition und begann seine Walz in Banzau bei Bergen/Dumme. Nach fünf Jahren und einem Monat kehrte er nun heim von einer Wanderung, die ihn kreuz und quer durch Europa geführt hatte.

Überaus herzlich wurde er am Freitagnachmittag von Verwandten, Freunden, Kollegen und Wandergefährten am Ortseingangsschild von Banzau, dem Ausgangspunkt seiner Walz, in Empfang genommen. Gemeinsam hoben sie ihn über das Ortsschild und damit betrat Simon Meier wieder den Boden, den seine Füße seit über fünf Jahren nicht mehr berührt hatten.

Mehr als 30 Wandergesellen hatten sich zu dem Ereignis in dem kleinen niedersächsischen Örtchen versammelt. Nach einem herzhaften Frühstück und Umtrunk wollten sich die Wanderburschen auf den Weg über Bergen/Dumme und Grabenstedt nach Henningen begeben. In der ehemaligen Dorfgaststätte hatten sie sich eingemietet und wollten die Wiederkehr feuchtfröhlich begießen.

Vater Hildebrand Meier und Dachdeckermeister Stefan Kofahl aus Darsekau, bei dem Simon Meier einige Zeit angestellt war, hatten alles für die große Wiedersehensfeier vorbereitet. Getränke, Speisen und Gepäckstücke wurden hin und her transportiert und der Saal in Henningen zu einem Matratzenlager umfunktioniert.

Simon Meier war die Anspannung etwas anzusehen, denn mit diesem Empfang hatte er nicht gerechnet. Etwas müde war er und froh, bald im Kreise seiner Freunde sitzen zu können. Aber zunächst musste noch der knapp sechs Kilometer weite Marsch nach Henningen zurückgelegt werden. Aber das sollte kein Problem darstellen, denn die nötige Wandererfahrung hatte der Zimmermann ja auf seiner Walz sammeln können.

So führte ihn seine Wanderung durch einen Großteil Europas. Einmal rund um die Ostsee. Von Deutschland über Polen, durch die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland. Durch Russland, Finnland, Schweden und Norwegen, hinauf bis zum Nordkap. Ebenso besuchte er Frankreich und England und machte einen Abstecher hinüber nach Mexico. Die Schweiz und Spanien lagen ebenso auf der Route seiner Wanderung. In Spanien, am Strand von Barcelona, geschah dann sein größtes Unglück. Sein Wanderbuch, eigentlich nur wertvoll für ihn, wurde ihm an der spanischen Mittelmeerküste entwendet. Besonders ärgerlich, weil in dem Wanderbuch auch die Stempel der besuchten Städte eingetragen werden, damit der Reiseverlauf später "amtlich" belegt werden kann. In dem Ersatzbuch wurden dann die nachfolgenden Stationen verewigt. Eigentlich währt eine Walz drei Jahre, aber Simon hängte noch einmal zwei Jahre dran.

So gab es bei der Feier in Henningen viel zu erzählen. Und am Sonnabend, nach dem Ablegen seiner Wanderkluft, war für Simon die Walz offiziell beendet. Wie die berufliche Zukunft aussehen wird, ist noch offen. Doch für den jungen Zimmermann dürfte es keine Anstellungsprobleme geben, denn die Wanderburschen mit ihrem überregionalen Erfahrungsschatz sind überall gern gesehene Handwerker.