Salzwedel. Der scheidende Ministerpräsident Wolfgang Böhmer hat auf seiner Abschiedstournee durch Sachsen-Anhalt gestern Nachmittag einen der wirtschaftlichen "Leuchttürme" des Landes besucht. Im Salzwedeler Gummiwerk der Kraiburg Relastec GmbH ließ er sich von Geschäftsführer Georg Stockhammer über die 20-jährige Erfolgsgeschichte des Unter- nehmens informieren.

Seit 1991 seien am Standort Fuchsberger Straße mehr als 25 Millionen Euro investiert worden. Die Mitarbeiterzahl wuchs von anfangs 25 auf mittlerweile 168, berichtete Stockhammer. Auch einen deutlichen Umsatz- und damit einen Ertragssprung habe die Firma verzeichnen können. Die Expansion in Salzwedel gehe weiter. Dazu seien in jüngster Vergangenheit weitere Flächen auf dem Fuchsberg angekauft worden. Nächstes Projekt sei der Neubau eines Verwaltungsgebäudes. "In vier bis sechs Wochen wollen wir den Grundstein legen", sagte der Geschäftsführer.

Er dankte Böhmer, dass die Landesregierung stets ein offenes Ohr für die Belange des Unternehmens gehabt habe, ebenso der Altmarkkreis und die Hansestadt. Nicht zuletzt deshalb habe das Gummiwerk 2010 das beste Jahr der Unternehmensgeschichte feiern können. Die Wirtschafts- und Finanzkrise sei kaum spürbar gewesen. Von der inzwischen wieder boomenden Autoindustrie profitiere das Gummiwerk, da viele Reststoffe anfallen und für die Verarbeitung in Salzwedel zur Verfügung stehen. Und nach oben sei noch Luft, zumal die Kraiburg-Gruppe weltweit Märkte erschlossen habe - von den USA über Europa bis Arabien, Indien, China und Malaysia. Salzwedeler Produkte seien zum Beispiel in der Harbour Bridge in Sydney, in Kinderspielplätzen am Strand von Abu Dhabi oder in der O2-World in Berlin verbaut worden.

In den nächsten fünf Jahren soll der Umsatz des Salzwedeler Standortes verdoppelt werden, die Mitarbeiterzahl um 50 Prozent steigen, blickte Stockhammer optimistisch in die Zukunft. Allerdings sei es nicht so einfach, qualifiziertes Fachpersonal zu rekrutieren.

Das Salzwedeler Werk hat sich innerhalb der Kraiburg-Gruppe auf die Herstellung von Fallschutzplatten, Bautenschutz, Sportböden und Trittschalldämmung spezialisiert. Pro Jahr werden 40 000 Tonnen Reifengranulat und 40 000 Tonnen Reststoffe verarbeitet. "Wir verwenden zu 90 Prozent Recyclingmaterial", betonte Georg Stockhammer. Umweltschutz sei einer der firmenpolitischen Grundsätze. So arbeite Kraiburg eng mit verschiedenen Universitäten zusammen, um künftig noch mehr nachwachsende Rohstoffe einsetzen zu können. Dies sei bereits bei Kork aus Portugal der Fall. Maismehl oder Stroh seien weitere Optionen.