Die Atomkatastrophe in Japan hat in Deutschland die Nachfrage nach umweltfreundlich erzeugtem Strom sprunghaft ansteigen lassen. Doch von welchem Anbieter ist er zu beziehen, wie teuer ist er und stammt er wirklich aus erneuerbaren Energiequellen? Die Volksstimme ging diesen Fragen nach.

Salzwedel. Bis zum Jahr 2050 könnte der gesamte deutsche Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Davon ist die grüne Branche überzeugt. Der nukleare Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat vor Augen geführt, welche unbeherrschbaren Risiken die Atomtechnologie birgt. Das Umdenken bei Verbrauchern und Politikern dürfte den Zuwachs an Marktanteilen erneuerbarer Energiequellen wie Wind, Wasser, Biomasse, Kraft-Wärme-Kopp- lung und Sonne in den nächsten Jahren spürbar beschleunigen.

Zahlreiche Anbieter offerieren inzwischen auch für Kunden im Altmarkkreis Ökostrom. Wobei der Begriff selbst mit Vorsicht zu genießen ist, da er gesetzlich nicht geschützt ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb auf Gütesiegel achten, die dem Produkt einen hohen Umwelt- nutzen attestieren. Dies ist bei Strom der Fall, der mit dem "Grünen Strom Label", "OK Power" oder dem TÜV-Zertifikat gekennzeichnet ist.

Dass grüner Strom grundsätzlich teurer ist als konventionell erzeugter, stimmt übrigens nicht, sondern ist abhängig vom Anbieter. So bezahlt ein 2-Personen-Haushalt im Altmarkkreis mit einem Durchschnittsjahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bei dem Unternehmen Naturstrom für den gleichnamigen Tarif 839,15 Euro. Gegenüber dem ab 1. Mai steigenden Grundtarif Alpha des Regionalversorgers E.ON-Avacon, bei dem der Anteil regenerativer Energien lediglich 23,3 Prozent beträgt, ist das eine Ersparnis von 159,55 Euro. E.ON-Avacon bietet zwar ebenfalls 100-prozentigen Ökostrom an. Der Tarif NaturWatt ist mit 1027,26 Euro für den Beispielhaushalt jedoch relativ teuer. Umweltbewusste "Sparfüchse" können bei einigen Anbietern aufgrund des Neukundenbonus im ersten Jahr noch deutlich günstigeren Strom beziehen: HitStrom verlangt für den Tarif Naturhit safe lediglich 754,68 Euro.

Atomstrom kann derzeit nur deshalb verhältnismäßig günstig produziert werden, weil die Kraftwerksbetreiber nicht die volle Schadenshaftung übernehmen, verdeutlichte Dr. Michael Rost, Professor für baulichen Brandschutz, Sicherheit und Gefahrenabwehr an der Hochschule Magdeburg-Stendal, in einem gestern in der Volksstimme veröffentlichten Leserbrief.