Uralte Kastanien säumen die Feldsteinkirche und den Henninger Friedhof. Von dem einst würdevollen ruhigen Ort ist nach Meinung von Rita Metke aus Salzwedel nicht mehr viel geblieben. Denn die Bäume sind dieser Tage verschnitten worden.

Henningen. Die Hansestädterin Rita Metke ist betrübt. Nicht nur, weil sie als Anwohnerin der Uelzener Straße in Salzwedel seit Wochen das Ergebnis der Baumschnittarbeiten (wir berichteten) sehen muss, sondern auch, weil die Kastanien auf dem Henninger Friedhof nun offensichtlich ein ähnliches Schicksal ereilt hat. Mehr als 20 Bäume, die das Gelände um die Jahrhunderte alte historische Feldsteinkirche säumen, sind in den zurückliegenden Tagen drastisch beschnitten worden.

"Ich bin entrüstet", sagt die gebürtige Henningerin, die auf dem örtlichen Friedhof regelmäßig das Grab ihrer Eltern besucht. "Ich kann nicht begreifen, wie so etwas ungestraft geschehen kann." Den Henninger Friedhof mit seinen alten Kastanien habe sie als würdevollen ruhigen Ort kennen und lieben gelernt. Nun sei ihr ein Stück ihrer Kindheit genommen worden. "Die Bäume hätten eine Pflege nötig gehabt", räumt Rita Metke ein. Allerdings sei das Resultat "unmöglich und strafbar". Ratsuchend hat sich die Salzwedelerin ("Die wissen gar nicht, was wir mit dem Großgrün für Schätze haben") nun an die Bürgerinitiative (BI) "Pro Baum" gewendet. Bei Günter Brennenstuhl und Karl-Heinz Fliegner hat sie offene Türen eingerannt.

"Eine Schande", ärgert sich BI-Sprecher Karl-Heinz Fliegner nach einem Ortstermin. Das "grüne Gewissen Salzwedels" nennt die Kastanien Strunken und sieht "grobe Verstöße gegen geltende Regeln zur Pflege". Das sei keine Pflege, sondern eher eine Zerstörung. "Kastanienbäume sind anfällig", weiß Karl-Heinz Fliegner. "Dort, wo gesägt wurde, entstehen mitunter Faulstellen." Bei starkem Sturm, so der Sprecher weiter, könnten die Kronen herausgerissen werden. Schlimmstenfalls drohe der Baum umzukippen.

"Die Kastanien waren stark pflegebedürftig. Und eine Verkehrssicherungspflicht war nötig." Das betont Rainer Wellkisch, Mitarbeiter des Kirchenkreises Salzwedel, mit Blick auf die getätigten Baumarbeiten am Henninger Friedhof. Pfarrer Donald Molin, zuständig für die Kirchspiele Osterwohle und Bombeck, könne Näheres zu den Bäumen sagen. Doch er befindet sich momentan auf einer Weiterbildung, haben Volksstimme-Recherchen ergeben.