Die auf dem alten Chemiewerksgelände geplante Biogasanlage stößt auf wenig Gegenliebe bei den Anwohnern. Das wurde bei einer Informationsveranstaltung des Bauamtes am Donnerstagabend deutlich. Die Nachbarn der 10-Millionen-Euro-Investition befürchten vor allem steigenden Verkehrslärm und sehen Probleme bei der Verkehrsführung.

Salzwedel. Für einen 9,26 Hektar großen Teil des Chemiewerk-Areals soll auf Wunsch des Stadtrates ein Bebauungsplan aufgestellt werden, um die seit der Wende weitestgehend brachliegende Fläche für ein Gewerbegebiet zu reaktivieren. Den Anstoß gab das Vorhaben der BioConstruct GmbH Melle, dort eine 2,3-Megawatt-Biogasanlage zu errichten, die Wärme für die Kerzenfabrik liefert und Gas ins Fernwärmenetz der E.ON-Avacon einspeist. Die laut Baugesetzbuch vorgeschriebene frühzeitige Bürgerbeteiligung fand am Donnerstag in Form einer Informationsveranstaltung im Bürgercenter statt. 13 Anlieger waren gekommen, um ihren Unmut über die Biogasanlage kund zu tun.

Stadtplaner Henrik Böhme aus dem Wendland sagte, dass laut des vorliegenden Gutachtens der zu erwartende Lärm deutlich unter dem Tages-Grenzwert für ein Gewerbegebiet (65 Dezibel) liegt. Die höchste Belastung gäbe es demnach an der Adresse Magdeburger Straße 52 mit 58 Dezibel. Im Rahmen der Gesetze würde sich auch die Geruchsbelästigung bewegen. Die Geruchsstundenhäufigkeit wird im Gutachten mit maximal 15 Prozent angegeben.

B 71-Einmündung das Sorgenkind

Die Bedenken der Bürger konnte er indes kaum zerstreuen. Sven Krause sah große Probleme bei der Verkehrsführung. Denn die 7500 Lkw pro Jahr - während der dreiwöchigen Maisernte 134 Laster je Tag - sollen von der B 71 kommend die bestehende Zufahrt am Ortseingang in Richtung Betonwerk nutzen. Der Anwohner glaubt, dass die Brummifahrer auf dem Rückweg zu Stoßzeiten minutenlang warten müssten, um auf die B 71 zu gelangen und sich deshalb alternativ einen Weg durch den Perver suchen werden. Planer Böhme entgegnete, dass die B 71-Einmündung aufgeweitet werden solle und langfristig vom Landesbetrieb Bau ein Kreisverkehr geplant sei. Großes Vertrauen in die Behörden scheinen die Anlieger jedoch nicht zu haben. Sie forderten schnelle Lösungen.

Als "Schildbürgerstreich" bewertete ein Anwohner die Tatsache, dass Gülle, Mist und Maissilage vom Land in die Stadt gefahren werden soll. Ein anderer sagte, dass der Fuchsberg ein besserer Standort für die Biogasanlage sei.

Bauamtsleiter Ralf Burmeister betonte, dass die notwendige Altlastensanierung auf dem Chemiewerk-Areal vom Land nur bezahlt werde, wenn es eine wirtschaftliche Nachnutzung gibt. Seit der Wende sei es der Stadt nicht gelungen, jemanden für das ausschließlich in privater Hand befindliche Gelände zu begeistern.

Vorbereitende Baumfällarbeiten haben inzwischen begonnen, ab Mai soll der mit Schwermetallen belastete Boden um die ehemalige Schwefelkies-Abbrandfläche anderthalb Meter tief abgetragen und in den Auflandeteichen auf dem anderen Jeetze-Ufer ausschwemmsicher mit Beton versiegelt werden.

B-Plan unabhängig von der Investition

Laut Ralf Burmeister werde der vom Investor bezahlte B-Plan unabhängig von der Investition aufgestellt. Denn die Biogasanlage sei durch das Lan- desverwaltungsamt Halle zu genehmigen. Der Bauamtschef versprach, die aufgeworfenen Bedenken der Bürger "mitzunehmen". Am kommenden Montag berät der Bauausschuss dazu. Nach Auslegung des B-Plans haben Bürger vier Wochen Zeit, ihre Stellungnahmen einzureichen, blickte Bauamtsmitarbeiterin Annerose Lahmann auf das weitere Prozedere.