Salzwedel. "Der Kinderschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle angeht ", stellte Michael Ziche, Landrat des Altmarkkreises Salzwedel gestern bei der Auftaktveranstaltung zur Initiierung des lokalen Netzwerkes "Kinderschutz" klar. Bei dieser ersten Veranstaltung ging es darum, ein lokales Netzwerk in der Altmarkregion zu gründen, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen sicherzustellen.

Hintergrund der Veranstaltung ist das von der Bundesregierung beschlossene neue Kinderschutzgesetz, über welches erst lange debattiert, es schlussendlich aber eingeführt wurde. Mit diesem Gesetz werde die Konsequenz aus den vielen Kindesmisshandlungen und -missbräuchen in Deutschland gezogen. "Kinder bedürfen Erziehung, Bildung und Förderung - aber auch Schutz", führt Ziche weiter aus. Dieser Schutz gehe im Normalfall in allererster Linie von den Eltern aus. Seien diese aber nicht mehr in der Lage oder kommen sie ihren Pflichten als Eltern nicht nach, müsse der Staat eingreifen.

Bedürftigen Kindern könne allerdings nur geholfen werden, wenn auf lokaler Ebene alle betroffenen Instanzen gebündelt zusammenarbeiten. So solle unter anderem Jugendamt, Schulen, Beratungstellen, Kindertagesstätten, Polizei, Krankenhäuser und Sozialämter vernetzt miteinander arbeiten. Konkrete Aufgabe des Netzwerkes ist es, Schwerpunkte und Themen für ein gemeinsames Wirken zu erarbeiten.

"Eine konsequente Sicherstellung des Kinderschutzes kann nur durch vernetztes Handeln gewährleistet werden", sagte Ilona Oesterhaus vom Gesundheitsministerium. Deshalb sei es wichtig, lokale Netzwerke einzurichten. Die Steuerung dieser Netzwerke obliege den Jugendämtern. Das Land Sachsen-Anhalt habe den strukturellen Rahmen vorgelegt, die konkreten Ausführungen müssten nun im Regionalen geschehen. Es gäbe bereits viele zertifizierte Kinderschutzfachkräfte und Kooperationsveranstaltungen im Landkreis Salzwedel, lobte Oesterhaus. "Wir fangen hier im Landkreis nicht bei Null an." Verstärkt müsse in Zukunft zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Ärzten, Schulen und Jugendamt gefördert werden. Früh müsse auf gravierende Anzeichen von Misshandlungen an Kindern hingewiesen und an das Jugendamt kommuniziert werden. Dies sei nun auch gesetzlich fixiert.

Die Kooperation sei unerlässlich. Denn es stelle sich die Frage, ob die Institutionen gegenseitig wissen, wer was macht. Wie agiert der andere? Was darf er, was darf er nicht? Wo enden die Kompetenzen einer Schule oder eines Arztes, wenn es um den Kinderschutz geht? "Wir müssen Kinder stark machen, dafür sorgen, dass sie ihre Fähigkeiten und Talente ausbauen", bemerkte Ulrich Mußbach, Leiter des Jugend- und Schulamtes Salzwedel. Wenn die Vernetzung gut funktioniere, könnten familiäre Probleme frühzeitig erkannt werden. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) helfe beispielsweise, wenn die Situation im Elternhaus zu verfahren werde, wenn Eltern nicht mehr weiter wüssten. "Kinder haben ein Recht darauf, geborgen und geschützt aufzuwachsen", so Mußbach. Doch wann darf der Staat in die Familie eingreifen? Dies sei eine große Herausforderung, der sich die vielen Fachkräfte der Institutionen nun stellen müssen.

"Viele Kinder wachsen heute schon mit Mangelerfahrungen auf", betont Susanne Borkowski vom Verein KinderStärken. Um das Kindeswohl sicherzustellen, müssten Hinweise für Gefährdungen wahrgenommen, Risiken eingeschätzt, das Zusammenwirken von Fachkräften sowie die Einbeziehung der Eltern gewährleitet werden. Dann müsse Hilfe angeboten werden. Im Rahmen des Netzwerkes werden nun Handlungsschritte erarbeitet - zum Schutze unserer Kinder.