Viele Kirchengänger werden enttäuscht sein: Zwar laufen die Bauarbeiten an der Salzwedeler Katharinenkirche auf Hochtouren. Doch wann der Westanbau wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist - das steht in den Sternen. Denn es sei, so Baupfleger Rainer Wellkisch, das Geld für die abschließenden Renovierungsarbeiten wider Erwarten ausgegangen.

Salzwedel. Seit zwei Tagen wird an der Katharinenkirche in Salzwedel wieder gebohrt, was das Zeug hält. Bagger, High-Tech-Bohrer und Kompressoren zerstören für die nächsten fünf Wochen das friedliche Bild vor dem Westanbau der Kirche. Grund: Der Boden unter dem Gemäuer des Westflügels drohte mehr und mehr abzusacken, die Schiefstellung des Gemäuers musste dringend begrenzt werden (wir berichteten). "Der jetzige Zustand wird durch unsere Baumaßnahmen quasi eingefroren", erklärt Bauleiter Hauke Meier von der Firma Keller Grundbau GmbH gegenüber der Volksstimme. Bislang liefe alles reibungslos. Auch der zuständige Architekt Jan Bodenstein zeigte sich nach den ersten Arbeitsschritten äußerst zufrieden. "Vor der ersten Bohrung ist es immer eine Zitterpartie", so der Architekt. Zu hundert Prozent wisse man nie, ob alles funktioniere. Doch es klappt.

"Wenn die Arbeiten am Fundament abgeschlossen sind, ist die Kirche sicher. Das ist erst mal das Wichtigste", sagt Rainer Wellkisch, Baupfleger des Kreiskirchenamtes Salzwedel. Dennoch ist er geknickt, wenn er über den Fortschritt der anschließenden Sanierungsarbeiten spricht. "Wir waren voller Hoffnung, dass wir die gesamte Finanzierung stemmen könnten", so Wellkisch. Doch allein für die Stabilisierung der Gemäuer seien die 630 000 Euro, die für das gesamte Bauprojekt zur Verfügung standen, bereits drauf gegangen. Der Westanbau kann dann allerdings noch längst nicht wieder eröffnet werden. "Für die Schönheitsreparaturen im Inneren ist kein Geld mehr da. Die Risse im Gemäuer müssen geschlossen und auch Malerarbeiten verrichtet werden. Außerdem muss am Boden gearbeitet werden. Wir wissen nicht, wann der Teil wieder nutzbar ist."

Jetzt müsse gewartet werden, bis wieder Geld zusammen käme. Wellkisch erhofft sich wieder Unterstützung von den bisherigen Geldgebern: das Land, die Stadt, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Reemtsma-Stiftung, der Kirchenkreis und die Katharinengemeinde seien nun wieder gefragt.

Während Wellkisch sich den Kopf über die weitere Finanzierung zerbrechen muss, gehen die Bauarbeiten am Fundament selbstverständlich weiter.

"Das ist kein ungefährliches Unterfangen", so Bauleiter Meier. Das alte Gemäuer von St. Katharinen stehe auf nicht tragfähigem Boden. Das Fundament könne während der Bohrungen unvorhergesehen reagieren. Mit Hilfe eines speziellen Düsenstrahlverfahrens werde eine flüssige Zementsuspension bis zu 6,50 Meter tief in den Untergrund gepumpt. So entstünden rund um den Westanbau 90 Säulen mit einem Durchmesser von 1,20 Meter, die zur Stabilisierung beitragen. "Sobald Druck auf die Düsen gegeben wird, verflüssigt sich der Baugrund", führt Meier weiter aus. Genau dieses Aufschwemmen des Baugrundes sei ein kritischer Punkt. Damit es nicht zu einem Einsturz des Westanbaus kommen kann, wurde ein laserunterstützendes Höhenüberwachungssystem im Inneren der Kirche angebracht. Sowohl optische als auch akustische Signale geben an, sobald sich die Säulen des Gemäuers heben oder senken sollten. In diesem Falle würden die Arbeiten sofort abgebrochen.

In den nächsten Tagen stehen die Arbeiten außerhalb des Gemäuers an. Dann ziehen die Mitarbeiter mit einem kleineren Bohrgerät ins Innere.

Und wer weiß: Vielleicht hat Baupfleger Wellkisch bis dahin ja auch schon einen neuen Geldsegen erhalten.

 

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