Der Zeitpunkt für die Seesanierung scheint in weite Ferne gerückt. Eine Umsetzung des Vorhabens gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 ist auf 2027 verschoben. Und: Selbst bei Ausschluss aller externen Nährstoffeinträge ins Gewässer ist die Verbesserung der Wasserqualität langfristig und nachhaltig erst in 20 Jahren möglich. Nur durch die Ausfällung eines Aluminiumsulfats kann der Phosphor sofort gebunden und der Blaualge Nahrung entzogen werden. Das ist Fazit der Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee.

Arendsee. "Die Teufelsspirale des ständig sinkenden Sauerstoffgehalts im Wasser kann nur durch einen direkten Eingriff in den Wasserkörper selbst unterbrochen werden", machte Dr. Michael Hupfer vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei am Sonnabend während der Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee deutlich. "Der Abwärtstrend wird noch unterstützt durch die Klimaveränderung", sagte er vor zirka 50 Zuhörern im Kindererholungszentrum. Durch die gegenüber den 1970er Jahren um drei Grad gestiegenen Temperaturen verlängere sich zwar die Badesaison, erhöhe sich aber auch das Algenwachstum. "Es gibt keine andere Chance, den Phosphorgehalt zu verringern und den Blaualgen ihre Nahrungsgrundlage zu entziehen als durch eine Ausfällung."

Diese Fällung von Nährstoffen mit Hilfe eines Aluminiumsalzes unterstützte den natürlichen Prozess, der im See ablaufe. "Im Erzgebirge verläuft der Prozess ohne Zutun von Menschen, indem Regenwasser Aluminiumsulfat aus dem Felsgestein auswäscht", erklärte Hupfer. In den Talsperren verbinde der Phosphor sich mit Aluminiumflocken und sinke mit diesen auf den Grund. "Das so von der Natur gereinigte Wasser wird ohne weitere Aufbereitung als Trinkwasser verwendet", berichtete er. So wie an großen See bespielsweise in Mecklenburg-Vorpommern könne diese seeinterne Fällung auch am Arendsee Erfolg bringen.

Dr. Michael Hupfer räumte ein, dass sich genau an diesem im Auftrag des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft entwickelten Verfahren die Geister scheiden. Auch während der Tagung kamen zahlreiche Gegner der "chemischen" Sanierungsvariante und Befürworter von Tiefenwasserableitung und Seekreideaufspülung zu Wort. Doch beide Möglichkeiten kämen seiner Ansicht nach nur einer Symptombekämpfung gleich, seien wenig effektiv in ihrer Wirksamkeit und dazu sehr kostenaufwendig, betonte Hupfer. "Es wäre beispielsweise irrsinnig teuer, das aus der Tiefe abgeleitete sauserstoffarme Wasser zu reinigen und dem See wieder zuzuführen."

"Und selbst bei Ausschluss der externen Einträge durch die Atmosphäre, die landwirtschaftliche Bodennutzung, das Abwasser, oberirdische Zuflüsse oder das Grundwasser würde es schätzungsweise 20 Jahre dauern, ehe sich die Wasserqualität verbessert", sagte der Experte. Beide Wege, Fällung und Ausschluss äußerer Belastungen, seien zu kombinieren.

Zuvor hatten Claus Fahlbusch vom Landesverwaltungsamt und Friedemann Gohr vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft die ersten Ergebnisse der Untersuchungen der genannten externen Nährstoffeinträge dargestellt. Nach ihren Worten ist der Anteil aus dem Grundwasser der am höchsten von Phosphor belastete. Er mache die Hälfte des Gesamteintrages aus. Im See selbst befinden sich rund 28 Tonnen. Weitere Untersuchungen seien nötig, um genauere Ursachenforschung zu betreiben.

Seit 2006 laufen Vorplanung und Tests mit dem Ziel, das Blaualgenwachstum im See zu unterbinden und damit die Badewasserqualität des Arendsees langfristig zu verbessern. Dessen Zustand wird derzeit als unbefriedigend eingeschätzt. Seit über einem Jahr laufen Tests, um das favorisierte Sanierungsverfahren der Phosphorfällung zu optimieren (wir berichteten).

"Laut europäischer Wasserrahmenrichtlinie sollte die Wasserqualität bis 2015 verbessert sein", so Gohr. Das gelinge nicht. Es gebe eine Fristverlängerung bis 2027. Auf die Anfrage von Vorstandsmitglied Hansjürgen Schulz nach einem Zeitplan für das weitere Vorgehen blieb Claus Fahlbusch eine Antwort schuldig.

AG-Vorsitzender Gert Reckling lud Interessenten zu einer weiterführenden offenen Diskussion ein, die in Form einer Zusatzveranstaltung stattfinden solle. (Mehr zur Jahrestagung in der morgigen Ausgabe).

Bilder