Altmark. "Der Gärtner - nichts gegen den Ehrenstand - glaubt an eine gute Tat, wenn er mit Hilfe der Säge die Bäume enthauptet. Ihre zertrümmerten, sonst vollendeten schönen Kronen, liegen als Wust von edlen Zweigen unter seiner Leiter und stehen blieb jener Galgen oder ein formloser Pfahl". Diese Zeilen und weitere kritische Äußerungen wurden vor gut 50 Jahren verfasst und haben nichts an ihrer Aktualität verloren. Erstaunlich ist nur, dass der Beitrag eines anonymen Verfassers überhaupt im "Altmarkboten" 1959 erscheinen durfte. Damit haben beide Seiten durchaus Mut bewiesen.Auch weitere Feststellungen wie: "Oft liegt kein Grund vor - wenn man von fachlicher Arbeitssuche absieht(!) Bäume zu köpfen." Oder: "Aber nur den Wunsch einiger Menschen zu erfüllen, (...) zeugt von kritikloser Schwäche. Das Wohl der Gesellschaft und nicht nur einiger Unüberlegter bestimmen gärtnerische und gestaltende Maßnahmen."

Was den Autor vor 50 Jahren bewegte und zur Feder greifen ließ, ist heute noch gängige Praxis. So sind in den vergangenen Jahren in unseren Dörfern - kürzlich aber auch an der Warthe bei Salzwedel - zahlreiche alte Linden einfach gekappt worden. Das einige Bäume diese Prozedur, wie in Störpke und Molitz, nicht überlebt haben, darf dabei nicht verwundern. Anderenorts, zum Beispiel in Klein Gartz und Ziethnitz, wurden prächtige Eichen und auf dem Friedhof in Henningen gleich der gesamte Baumbestand ohne erkennbaren Grund extrem hoch aufgeastet. Der nun folgende Pilzbefall und der vorzeitige Abgang der Bäume wurde dabei billigend in Kauf genommen.

Ein Baumfrevel der besonderen Art geschah aber in den Wintermonaten im Stadtgebiet von Salzwedel. Hier sind entlang der Wohnblocks an der Uelzener und Thälmannstraße sowie an der Lindenallee sämtliche Äste der Bäume um mindestens zwei Drittel ihrer Länge gekürzt worden. Ohne Rücksicht auf das Alter und die Baum- art entstanden so Gebilde, die nur noch entfernt an Bäume erinnern. Welchen Zweck der Auftraggeber mit dieser Maßnahme verfolgt, ist dabei nicht ersichtlich. Die sonst verwendeten Argumente wie Gefahrenabwehr und Gewährleistung der Verkehrssicherungspflicht dürften hier keine Rolle spielen. Ebenso sind Verweise auf einen Erziehungsschnitt oder Pflegemaßnahmen haltlos. Somit bleiben nur noch Laubfall und Schattenwurf übrig. Das aber sind typische Eigenschaften unserer Gehölze, die auch durch die vorgenommenen Verstümmelungen nicht beseitigt werden.

Die hier demonstrierte neue Dimension des Baumfrevels ist nicht nur für naturverbundene und umweltbewusste Mieter eine echte Zumutung, sondern wirkt auch auf Besucher unserer Stadt mehr als befremdlich. Und ob aus den ruinierten Exemplaren jemals wieder ansehnliche Bäume werden, darf ohnehin bezweifelt werden. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass Bäumen bei der Bindung von Kohlendioxid eine große Bedeutung zukommt. Ihre Anzahl zu vergrößern und sie weitgehend ungestört wachsen zu lassen, ist zwar nur ein winziger Beitrag zur Verlangsamung der Erderwärmung, aber immer noch wirkungsvoller, als darüber zu debattieren.

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