Die Altmärker geben nicht auf. Sie wollen keine neue dreistreifige Bundesstraße westlich von Salzwedel. Das ist am Sonntag während des Mahn- und Gedenkgottesdienstes in der Lagendorfer Kirche deutlich geworden. Etwa 80 Altmärker und Gäste hörten eine bemerkenswerte Predigt von Superintendent Matthias Heinrich und diskutierten anschließend über den Stand der Dinge bei der B 190n.

Lagendorf. "Wichtig ist, wie jeder Einzelne sich verhält. Wichtig ist ein bewusstes Leben." Mahnende Worte des Superintendenten Matthias Heinrich während seiner Predigt, die unter der Überschrift "Bewahrung der Schöpfung" stand. Der Superintendent rief auf, sich mehr auf regionale Produkte zu besinnen und auch Verzicht zu üben - für die Umwelt und damit am Ende auch für sich.

Was die Natur in der Altmark bereithält, zeigte Paul Meitz aus Binde, seit 55 Jahren Naturschützer, mit Dias. Das Grüne Band, die ehemalige innerdeutsche Grenze, ist ein Refugium für Pflanzen und Tiere. Jetzt soll eine Bundesstraße dieses Kleinod bei Schmölau zerschneiden, eben die B 190n. Für Meitz "ein Verbrechen". Er hofft, dass es gelingt, diese Trasse zu verhindern. Da war er sich augenscheinlich mit allen Anwesenden einig.

Doch die Befürworter des alternativen Ausbaus der B 71 und der B 248 anstelle der neuen Bundesstraße 190 mussten vor zwei Wochen zu Kenntnis nehmen, dass das Bundesverkehrsministerium genau an diesem Neubau festhält. Die Linienbestimmung für die B 190n ist abgeschlossen (wir berichteten). Jetzt beginnt die Feinplanung, dann folgt das Planfeststellungsverfahren mit öffentlicher, also auch Bürger-Beteiligung.

Bei seiner Entscheidung hat sich das Bundesverkehrsministerium auf ein Gutachten gestützt, das Sachsen-Anhalt und Niedersachsen im vergangenen Jahr erstellen ließ. Werner von dem Knesebeck, Sprecher der Bürgerinitiative "Westliche Altmark", bezeichnete dieses Gutachten als "Gefälligkeitsgutachten". Denn danach käme die B 71 als Alternative nicht in Betracht. Laut Gutachten würde der Ausbau des 52,9 Kilometer langen Abschnitts der B 71 rund 120 Millionen Euro kosten, Natur und Umwelt mehr belasten als der 42,9 Kilometer lange Abschnitt der B 190n zwischen Bad Bodenteich und Salzwedel, der mit 117,1 Millionen Euro - fast 30 Millionen Euro teurer als bislang bekannt - zu Buche schlagen. Doch für Knesebeck hat man Äpfel mit Birnen verglichen. So zerschneidet die B 71 bereits das Grüne Band und merkwürdigerweise seien im Gutachten auch die Folgen für den langsamen Verkehr, Landwirtschaft und Radler betrachtet worden. Etwas, was beim unstrittigen Ausbau der B 190 östlich von Salzwedel Richtung Seehausen nicht passiert sei.

B 190n einfach schön gerechnet?

Und: Laut Gutachter könne die einst teuer errichtete nördliche "Ortsumgehung" von Salzwedel nicht genutzt werden. Eine südliche Umgehung müsste für die B 71 her. "Das treibt die Kosten nach oben", bilanziert der BI-Sprecher. Demgegenüber sind die Kosten augenscheinlich für die B 190n nach unten gerechnet worden. Denn in Niedersachsen soll sie nicht bei Bodenteich enden, wie es im Gutachten heißt, dessen Zusammenfassung der Volksstimme vorliegt. Die B 190n wird 16,3 Kilometer weiter westlich in Richtung Celle bis Breitenhees führen. Für Knesebeck steht fest, dass die neue Trasse der B 190n verhindert werden muss und kann. Auch das Bundesumweltministerium hat sich gegen die neue Straße ausgesprochen.

Unterstützung haben die BI-Mitglieder nicht nur vom Salzwedeler Landtagsabgeordneten Hans-Jörg Krause (Linke). Auch aus Niedersachsen kommt Hilfe. Eckhard Niemann von der BI gegen die A 39 machte deutlich, dass in Niedersachsen die Autobahnpläne keine Lobby haben. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass die A 39 nicht gebaut wird", sagte Niemann und verwies darauf, dass der Klagefonds der A 39-Gegner bereits mit 60 000 Euro gefüllt sei. Ohne A 39 mache die B 190n westlich von Salzwedel keinen Sinn, so Niemann.

Die Quedlinburger Bundestagsabgeordnete Undine Kurth (Die Grünen) forderte die Altmärker auf, mit den verantwortlichen Politikern auf Landes- und Bundesebene in einen Dialog zu treten: "Das Ziel muss sein, die ökonomisch und ökologisch bessere Variante durchzubekommen." Für Undine Kurth ist das nicht die B 190n in Richtung Bodenteich.