Seit dem 29. April ist es amtlich. Im Bundesgesetzblatt veröffentlichte das Bundesarbeitsministerium die Liste der 110 Optionskommunen in Deutschland, mit dabei der Altmarkkreis. Ab 1. Januar 2012 wird dieser damit nicht nur für die Kosten der Unterkunft, sondern auch für Arbeitsvermittlung zuständig sein. Dafür ist bereits der Eigenbetrieb "Jobcenter" gegründet. Am Montag tagte in Klötze zum ersten Mal der Betriebsausschuss.

Klötze. 145 Vollzeit-Stellen, aufgeteilt auf die Standorte Klötze (etwa 40), Gardelegen (40) und Salzwedel (mehr als 50). Außensprechstunden in Arendsee, Kalbe und Diesdorf und ein Jahresbudget von rund 80 Millionen Euro: So wird sich ab dem kommenden Jahr das "Jobcenter des Altmarkkreises" präsentieren, das unter anderem für rund 5000 Bedarfsgemeinschaften in der westlichen Altmark verantwortlich zeichnet und für Langzeitarbeitslose Arbeit finden muss.

Die Zeit der getrennten Trägerschaft bei Hartz IV zwischen Kreis und Arbeitsagentur ist dann zu Ende. "Der Altmarkkreis ist nicht der Auffassung, dass er das besser kann als die Agentur für Arbeit", betonte Landrat Michael Ziche (CDU) am Montag während der ersten und gut besuchten Sitzung des Betriebsausschusses des Eigenbetriebes "Jobcenter". Aber aus Ziches Sicht habe der Kreis eine besondere Vernetzung zu sozialen Partnern, was die Arbeit ab Anfang 2012 erleichtere.

Gespräch mit Personal der Arbeitsagentur

Bis dahin ist noch viel zu erledigen. Fünf Arbeitsgruppen sind gebildet. Eine zum Beispiel für das künftige Personal des Jobcenters, dass sich aus Mitarbeitern der Kreisverwaltung und der Arbeitsagentur zusammensetzen wird. Am 9. Mai werde es eine Personalversammlung in der Arbeitsagentur in Salzwedel geben. Auf gleicher Augenhöhe wolle man reden, hieß es. Es liege bereits ein Katalog mit rund 100 Fragen vor. Mit den Außenstellen in Salzwedel und Gardelegen soll auch der Tatsache Rechnung getragen werden, dass einige Agentur-Mitarbeiter derzeit in Stendal beschäftigt sind. Die beiden Hansestädte seien einfacher als der Hauptsitz in Klötze, die erste und zweite Etage der ehemaligen Berufsschule, zu erreichen, so Ziche. In den kommenden Monaten werde es zudem für die eigenen Beschäftigten Qualifizierungen geben.

Ab September/Oktober sollen die umfangreichen Datensätze der Arbeitsagentur für das Jobcenter erfasst werden. Größtenteils vermutlich per Hand. Neue Computer und Software müssen dafür angeschafft werden. Für die Software läuft bereits eine europaweite Ausschreibung. Im Haushaltsplan 2011 des Jobcenters sind für notwendige Investitionen kreditfinanzierte 460 000 Euro vorgesehen.

Unter anderem auch für Bauarbeiten in Klötze, um Barrierefreiheit herzustellen. In Salzwedel soll nach derzeitigen Plänen das Jobcenter im Erdgeschoss des Altbaus des Landratsamtes sein Domizil haben, dort, wo bereits das Sozialamt untergebracht ist. Für Gardelegen ist bislang die Außenstelle des Landratsamtes im Gespräch. Alternativ könne aber auch auf Liegenschaften der Arbeitsagentur zurückgegriffen werden. Die endgültige Entscheidung soll bis Juli fallen.

Betriebsausschuss ist reine Männerrunde

Der Betriebsausschuss, eine reine Männerrunde, stimmte allen Beschlussvorlagen, vom Haushaltsplan bis zur Ausschreibung der Chefstelle für das Jobcenter, einstimmig und ohne Diskussion zu. Am 30. Mai ist der Kreistag am Zuge. Eine Frage hatte Ausschussmitglied Wolfgang Mosel (Linke) dann doch: Wie das mit jenen Leistungen sei, die die Agentur jetzt noch für mehrere Monate bewilligt. "Werden diese Leistungen automatisch nach dem 1. Januar 2012 ausgezahlt?" Sachgebietsleiter Wilhelm-Andreas Chocholowicz erklärte nach einem längeren Anlauf: "Ziel ist, dass das Geld überwiesen wird." Es bestehe die Möglichkeit, mit der Arbeitsagentur entsprechende Vereinbarungen abzuschließen.

Fakt ist: Einen Probelauf wird und kann es im Vorfeld nicht geben. Der Aufgabenwechsel erfolgt in der Silvesternacht - zu 100 Prozent.