Der kleine Diesdorfer Ortsteil Hohengrieben beteiligt sich am Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft". Gestern machte sich die Bewertungskommission ein Bild vor Ort. Die Mitglieder waren von der Bausubstanz beeindruckt, nahmen aber auch die Einladung zur Schunkelrunde gern an.

Hohengrieben. "Als ich von dem Wettbewerb gelesen habe, meinte ich, dass wir uns nicht zu verstecken brauchen. Doch dann hatte ich Probleme bei der Antragstellung", begann der Hohengriebener Gerhard Schulz seine Ausführungen während der Stippvisite der Wettbewerbskommission. Denn viele Punkte musste er mit Nein beantworten: Es gibt keine Kirche, keine Schule, keine Kita, kein Dorfgemeinschaftshaus, keine Geschäfte, keine Gaststätte, keinen Flächennutzungsplan... "Auf der geforderten Karte im Maßstab 1:25 000 erkennt uns keiner", fügte er hinzu. Auch wenn das alles nicht vorhanden sei, gebe es in Hohengrieben um die 25 engagierte Einwohner, die ihr Dorf mitgestalten wollen.

Gerhard Schulz informierte, dass der Ort von Friedrich II. als Mustersiedlung errichtet worden und ab 1749 mit Pfälzer Kolonisten und ihren Familien auf zehn Höfen besiedelt worden sei. "Der Ort ist 200 Meter lang, die Straße 30 Meter breit. Alle Höfe sind gleich groß", nannte er einige Eckdaten. Die alten Häuser seien zwischen 1880 und 1920 durch neue Gebäude ersetzt worden. Bis 1949 habe es eine Schule gegeben. 1954 sei der Ort nach Mehmke eingemeindet worden.

Der Hohengriebener verwies auf zahlreiche Eigeninitiativen der Einwohner: 1935/36 beispielsweise haben sie beim Straßenbau mit zugepackt. 1980 sei der Weg nach Mehmke gefegt worden, damit danach eine Bitumenschicht aufgetragen werden konnte. In den 1980er Jahre sorgten die Hohengriebener mit dafür, dass eine Dorfkanalisation gebaut wurde. Auch die einstige Plattenstraße nach Groß Bierstedt haben die hier Wohnenden verlegt. "Das hat drei Jahre gedauert. Die Landwirtschaft hat uns finanziell unterstützt", sagte er. Die Wende sei die Rettung für das Dorf gewesen. Ein halbes Jahr habe es Fördergelder aus dem Dorferneuerungsprogramm gegeben. Der Weg zum Friedhof konnte so befestigt, der Platz um das Kriegerdenkmal gestaltet werden. Auch die Bewohner hätten die Chance genutzt.

Kulturell setze Hohengrieben seit 43 Jahren auf den Zelttanz, der am vergangenen Wochenende wieder hunderte Gäste anlockte (wir berichteten). 1999 ging der Ort mit einer eigenen Webseite ins Netz. Vor zehn Jahren pflanzte die Dorfgemeinschaft eine Eiche an der Bodenseeinsel Mainau. "Und wir haben uns um den Storch gekümmert. Das brachte eine 20-prozentige Zuwachsrate", fügte er schmunzelnd an. Das nächste Projekt sei der Erhalt der Schulscheune, für die es aus dem Diesdorfer Gemeindehaushalt leider keinen Zuschuss für Material gab. "Wir haben das Feldsteinfundament schon in Eigenleistung fertiggestellt. Die Jagdgenossenschaft hat einige Euro zur Verfügung gestellt. Und auch am Zelttanz-Wochenende haben wir ein paar Euro zusammengetragen", erklärte er. So solle nach und nach in Eigenleistung weiter an dem Haus gearbeitet werden.

"Hat unser Dorf Zukunft? Wenn es die hier Wohnenden mitgestalten, dann ja", sagte Gerhard Schulz, bevor er die Kommissionsmitglieder hinaus bat, um die Besonderheiten zu zeigen. Der Rundgang begann mit dem Hohengrieben-Lied, gespielt vom Komponisten Gerald Schere Eggert und seiner Tochter Heike Thielk.

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